Wilhelm Schadow, Bildnis Johann Gottfried Schadow, 1819

Akademie der Künste, Berlin, Standort Pariser Platz 4

Das Porträt des Vaters schuf Wilhelm Schadow 1819 in Berlin, bald nach der Rückkehr von einem achtjährigen Rom-Aufenthalt in seine Geburtsstadt. Von Schinkel hatte er den Auftrag erhalten, an der Ausmalung des Berliner Schauspielhauses mitzuarbeiten. In Berlin sollte er nicht nur zum Leiter der Meisterklasse der Akademie für Malerei ernannt werden; hier begann auch – mit dem Bildnis des Vaters – seine Karriere als Porträtist der Berliner Gesellschaft.

Wilhelm präsentiert den berühmten Vater, der von 1816 bis 1850 Direktor der Königlich Preußischen Akademie der Künste war, unprätentiös, mit maßvoll verhaltener Noblesse – gleichsam realistisch und idealisiert zugleich. Programmatisch ist das Zitat der Dürermedaille links oben im Bild, das Monogramm als Signatur, der spätmittelalterlich anmutende Schrifttypus für die Bezeichnung und die Ornamentform darunter. Der Porträtierte war in diesen Jahren vor allem mit der Schaffung eines Lutherstandbildes für Wittenberg befasst und studierte dafür die Dokumente jener Zeit. Nicht von ungefähr fungierte Dürer, den Johann Gottfried Schadow als den größten deutschen Künstler verehrte, als eine Art Schutzpatron in dem von ihm geleiteten Berlinischen Künstlerverein.

Der Schöpfer des Porträts, Wilhelm, zählte in Rom zu den Nazarenern; später sollte er in Düsseldorf die Nachfolge von Peter Cornelius als Direktor der Düsseldorfer Akademie antreten. Einer der wichtigen Schüler Schadows dort war Eduard Bendemann, dessen Werke für die Entwicklung einer deutsch-jüdischen Bildkultur von großer Bedeutung werden sollten. Aus Bendemanns Nachlass hat die Ernst von Siemens Kunststiftung dieses Gemälde erworben, um es der Akademie der Künste als unbefristete Leihgabe zur Verfügung zu stellen.

PD Dr. Rosa von der Schulenburg