Wiedererwerb des Gemäldes Begonien (Rot und Gelb) von Emil Nolde

Angermuseum, Erfurt

Nach über 80 Jahren ist es dem Angermuseum gelungen, das sich bereits 1930 in der Sammlung befindende Werk Begonien von Emil Nolde wiederzuerwerben. Bis dahin gelang das Blumenbild in viele Hände.
Über die Galerie Ferdinand Möller kaufte der damalige Direktor des Angermuseums in Erfurt, Herbert Kunze, das expressionistische Gemälde ein Jahr nach seiner Fertigstellung für die damals enorme Summe von 8.000 Reichsmark an. Im Zuge der NS-Diffamierungsaktion "Entartete Kunst" war das Werk 1937 beschlagnahmt und entfernt worden, zusammen mit zahlreichen anderen Werken. Das Angermuseum erlitt unheilbare Verluste. Nach der Beschlagnahmung bemühte sich Nolde vergeblich, das für ihn sehr wichtige Bild über einen Mittelsmann auf der Auktion in Luzern 1939 wieder zu erwerben. Erst 2017 tauchte es wieder auf dem Kunstmarkt auf und konnte nun in Zusammenschluss der Stadt Erfurt, des Freistaats Thüringen, der Kulturstiftung der Länder, des Bundes und der Ernst von Siemens Kunststiftung für das Angermuseum zurückerworben werden.
Das 1927 entstandene Gemälde Begonien zeigt zwei in Töpfen gezogene blühende Knollenbegonien. Die Blumentöpfe mit Untersetzern stehen auf einer von Ada Nolde selbst gewebten, mit floralen Elementen sowie Tiermotiven verzierten Decke, die sich heute im Nachlass des Künstlers in Seebüll befindet.
Mit Blumen- und Gartenbildern erarbeitet sich Nolde die Grundlage für die spätere Entwicklung seines Werks. Fortan legt er an allen seinen Wohnsitzen Blumengärten und Blumennischen an. In Auseinandersetzung mit dem leuchtenden Kolorit der Blumen entwickelt Nolde die Struktur der bewegten Farbe zum eigentlichen Ausdrucksträger seiner Kunst. Dies wird insbesondere in Begonien (Rot und Gelb) mit den in heiterem, warmen Rot und intensivem Gelb gefüllten Blüten deutlich, wo sich Farbkorrespondenzen zwischen dem in frischem Grün entstehenden Laub der Begonien und den Farben der Weberei ergeben. Der nicht näher bestimmbare Hintergrund erinnert an die imposanten Wolkenhimmel von Noldes Landschaften und ergibt einen harmonischen Farbklang.