PAUL KLEE „PASTOR KOHL“, 1932

Pinakothek der Moderne München

Mit »Pastor Kohl« konnte erstmals seit 25 Jahren wieder ein Werk von Paul Klee für die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne erworben werden. »Pastor Kohl« wurde direkt von den Erben nach Paul und Lily Klee angekauft. Es zählt zu den sehr seltenen Gemälden Paul Klees, in dessen Werk die Arbeiten auf Papier dominieren. Das in Klees Œuvre großformatige Gemälde ist der sehr beliebten »pointillistischen« Werkphase von 1931/32 zuzurechnen. Die Neuerwerbung bedeutet eine substanzielle Verstärkung und Erweiterung der herausragenden Klee-Sammlung der Pinakothek der Moderne, darunter Hauptwerke wie »Vollmond« (1919), »Grenzen des Verstandes« (1927), »Abenteurer-Schiff« (1927) oder »Das Licht und Etliches« (1931).

Das Gemälde »Pastor Kohl« besticht durch heitere Ironie und meisterhaften Kolorismus. Die »pointillistischen« Werke Klees umfassen nur 30 Gemälde und 40 Papierarbeiten, die 1931/32 in einer hochproduktiven Schaffensphase nach Klees Verlassen des Dessauer Bauhaus und dem Antritt einer Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie entstehen. Diese koloristisch einzigartigen Werke bauen auf Klees langjährigen Farbstudien als Bauhausmeister in Fortsetzung des Neoimpressionismus auf. Die rasterförmig aufgetragenen Punkte in »Pastor Kohl« erzeugen eine flirrende Dynamik und ein mosaikartiges Leuchten der Farben, die zudem ein geheimnisvolles Tiefenlicht hinterfängt. Das »pointillistische« Raster verbindet sich in »Pastor Kohl« auf singuläre Weise mit der kryptischen Zeichnung eines fiktiven Pastorenporträts mit Hut und Kragen. Während das schimmernde Flächenmuster zugleich an die von Klee 1928 besichtigten frühchristlichen Mosaiken Ravennas erinnert, wird das von einer Aureole gerahmte »Aufscheinen« des blassen, kohlgrünen Pastors humorvoll karikiert: Grotesk verzerrte und kantige Linienverläufe geben Anlass zu vielfältigen vexierbildartigen Ausdeutungen und suggerieren sowohl religiöse Inbrunst wie weltliche Entbehrung des Geistlichen. »Pastor Kohl« erinnert in der Pinakothek der Moderne auch an die prägende Bedeutung Münchens für Klees künstlerisches Schaffen und führt mit den Aspekten der Karikatur und Religion zudem neue Elemente von Klees unermesslich vielseitigem Œuvre in die Sammlung ein.

Oliver Kase