Konvolut barocker Theatergraphiken
vor dem Verfall gesichert

Deutsches Theatermuseum München

Die weltgrößte Sammlung von Theaterfotografien sowie ein umfangreiches Archiv und eine Bibliothek sind im Deutschen Theatermuseum beherbergt. Mit einem Bestand von rund 250.000 grafischen Blättern, 500.000 Autographen und 4,3 Millionen Theaterfotografien, die bis in die Renaissancezeit zurückreichen, widmet sich das Museum der Dokumentation von Theateraufführungen im deutschen Raum sowie der europaweiten Verflechtungen des Theaters. Dazu besitzt es ein großes Konvolut barocker Originalgrafiken, die die Pracht höfischer Kultur aber auch die volkstümlichen Wurzeln von theatralen Erscheinungen des 17. und 18. Jahrhunderts bezeugen. Große Themenbereiche wie Bühnendekoration, Kostümbilder, Rollenporträts und Ansichten von Theaterbauten geben Aufschluss über die barocke Theater- und Festkultur. Die Blätter gehören aufgrund ihrer dokumentarischen Qualitäten und ihrer Rarität zum interessantesten und kostbarsten Bestand der graphischen Sammlung. Neben einigen künstlerisch außerordentlich qualitätvollen Blättern, liegt der kulturhistorische Wert besonders in dem hohen Informationsgehalt zum Barocktheater: es offenbart Typologien und Funktionsweisen und lässt den historischen Zusammenhang der Theaterereignisse verständlich werden. Trotz seiner kunst- und kulturhistorisch singulären Bedeutung, befindet sich das graphische Konvolut in äußerst schlechtem Zustand und wurde bisher noch keiner systematischen und katalogischen Erfassung unterzogen, selten in Ausstellungen gezeigt und beinahe nie publiziert. Das wird sich nun endlich ändern: Mit dem umfangreichen Restaurierungsprojekt wird der Fortbestand des Konvoluts gesichert. Ganz im Sinne der Initiative „KUNST AUF LAGER“ gelangt der bisher deponierte graphische Blattbestand nach der Restaurierung wieder in das Licht der Öffentlichkeit. Nur so kann das Deutsche Theatermuseum der zentralen Aufgabe, das gehütete Material einer möglichst breiten Öffentlichkeit in Ausstellungen und Publikationen näherzubringen, gerecht werden. Neben den konservatorischen Maßnahmen findet außerdem ein Provenienzforschungsprojekt statt.
Theatral gestaltete Feiern fanden in der Barockzeit nur bei bedeutenden familiären oder politischen Ereignissen wie Geburten, Hochzeiten, Jubiläen oder Todesfällen statt. Die Darstellungen veranschaulichen illusionistische und typisierte Dekorationsprinzipien und widmen sich Details der verborgenen technischen Maschinerie. Sie belegen auch die Bedeutung großer Monarchen wie Leopold I. (1658-1705), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Ludwig XIV. (1643-1715), König von Frankreich, oder Cosimo de Medici (1670-1723), Großherzog der Toskana für das Theater und verdeutlichen damit auch lokale Zentren des barocken Theatergeschehens. Die Erfindungen phantastischer Bühnendekorationen der größten barocken Bühnenarchitekten wie Lodovico Burnacini (1636-1707) oder der berühmten Familie Galli-Bibiena veranschaulichen den hohen Anspruch barocker Theaterkunst. Die delikaten Kostümzeichnungen und die raffinierte Ausführung von Szenenbildern eines Jacques Callot (1592-1635), Antonio Bertoli (1677-1743) oder Nicolas Cochin (1715-1790) setzen die künstlerischen Maßstäbe dieses theatergraphischen Bestandes.

Huldigungszug zu Ehren Kaiser Karl VI in Wien 1712; Kupferstich; Andreas Pfeffel n. J. A. Hakhoffer; 1712; 432 x 1158 mm; Inv.Nr. III 2792 [F 8602]

Entwurf für eine Bühnendekoration, Architektur eines Palasthofes; Feder, laviert; Ferdinando Galli-Bibiena; 1.H. 18. Jh.; 291 x 445 mm; Inv.Nr. IV 4307 [F 280]

Entwurf für eine Bühnendekoration, Gartenarchitektur im Palasthof für die Oper „Il trionfo della continenza“ (Baldassare Galuppi), Fano 1677; Feder, aquarelliert; 1677; Giacomo Torelli (?); 298 x 376 mm; Inv.Nr. IV 4301 [F 1253]