Johann Heinrich Tischbein d. Ä., Bildnis Louis Gaucher, Duc de Châtillon, 1762

Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel

Johann Heinrich Tischbein d. Ä. zeigt im großformatigen und repräsentativen Porträttypus in ganzer Figur vor einer Landschaft den 25-jährigen Adeligen Louis Gaucher, Duc de Châtillon (1737 – 1762), der während der Französischen Besatzung Kassels im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) zu den hochrangigen Offizieren vor Ort zählte. Der junge, aufwendig und elegant uniformierte Regimentskommandeur steht auf einer baumbegrenzten Lichtung, die sich im Hintergrund zu einer weiten Landschaft hin öffnet. Linkerhand erscheint im Hintergrund der Carlsberg, die heutige Wilhelmshöhe, mit dem von Landgraf Carl errichteten markanten Herkulesbauwerk und der barocken Kaskadenanlage, die sich unterhalb bis zum Schloss auf dem Weißenstein, dem Vorgängerbau des heutigen Schlosses Wilhelmshöhe, am Fuße des Hanges erstreckt. Rechts ist in geringerer Entfernung ein französisches Feldlager und auf einem Hügel davor eine Gruppe kartenspielender Grenadiere zu erkennen. Links vom Porträtierten liegt auf einem Felsblock neben dem Dreispitz gut erkennbar eine detailliert wiedergegebene Karte der Stadt Kassel mit ihren Befestigungen und umliegenden Dörfern. Die linke Hand in die Hüf te gestemmt, verweist der Kommandant mit Blick zum Betrachter mit seiner ausgestreckten Rechten auf den Punkt der Karte, der den Standort von Herkules und Schloss im Hintergrund markiert. In Komposition und Auf fassung reiht sich das Gemälde in den Typus des repräsentativen fürstlich-militärischen Standesporträts im OEuvre Tischbeins ein. In Format, künstlerischem Anspruch und historischer Bedeutung stellt es ein herausragendes Beispiel dar und ergänzt auf großartige Weise den vorhandenen Bestand an Werken Tischbeins in der Gemäldegalerie Alte Meister sowie den Schlössern Wilhelmsthal und Weißensteinflügel der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Dr. Justus Lange