Friedrich Kettwyck

Wandblaker der Welfenresidenz Celle, um 1670
Residenzmuseum Celle

Die beiden imposanten Wandleuchter bilden eines von insgesamt drei zusammengehörigen Paaren, die der letzte Celler Herzog Georg Wilhelm um 1670 für die Ausstattung seiner Residenz anfertigen ließ. Während die vier anderen Leuchter heute Teil der Museumssammlungen in Boston und Houston sind und sich im jeweiligen Museum of Fine Arts befinden, konnte dieses Paar für das Residenzmuseum im Celler Schloss zur Ausstattung der einstigen Paradegemächer zurückerworben werden.

Mit dem Ende der Celler Residenzzeit 1705 war das barocke Celler Schlossinventar nach Hannover verbracht worden, wo Mobiliar und Gemälde jedoch größtenteils während des Zweiten Weltkrieges vernichtet wurden. Einzig ein Teil der mobilen Ausstattung – darunter bedeutende Objekte des einst enormen Silberbestandes – gingen im weiteren Erbgang im Haus Hannover auf und gelangten im Zuge größerer Verkäufe und Auktionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Kunstmarkt und z.T. in bedeutende internationale Sammlungen.

Die schon aufgrund ihrer enormen Größe, ihres Gewichtes sowie vor allem ihrer kunsthandwerklichen Ausführung bemerkenswerten Blaker gehören zu den selten überlieferten Objekten frühbarocker silberner Raumausstattung. Die allein dem Fürsten vorbehaltene Einrichtung mit Silbermöbeln, zu der auch Leuchter gehörten, ist Ausdruck des hohen Repräsentationsanspruchs, der sich in der eindrucksvollen – heute allerdings nur noch selten erhaltenen – Ausstattung fürstlicher Paraderäume widerspiegelte.

Die Blaker, die bei dem häufig für die Welfenhöfe arbeitenden Hamburger Goldschmied Friedrich Kettwyck in Auftrag gegeben wurden, beeindrucken durch die großen, aus je einem einzigen Stück gefertigten, symmetrisch angelegten Schilde in Form unregelmäßiger Vierpässe. Das vegetabile Dekor mit Tulpen, Türkenbundlilien und Akanthusblättern ist mit starker Plastizität angelegt. Aus dem Mittelfeld erhebt sich eine plastische, sehr fein punzierte und gravierte Frauenbüste, die ihre Vorlage in einer der berühmtesten Statuen des römischen Barock findet, der von Francois Duquesnoy geschaffenen Marmorfigur der heiligen Susanna.

Der Ankauf der Blaker konnte mit Hilfe der Rudolf-August Oetker Stiftung, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung (Förderung und Vorfinanzierung) sowie der Stadt Celle realisiert werden. Er bildet ein wesentliches Element in der Rekonstruktion der einstigen Ausstattung des Celler Schlosses als frühneuzeitliche Residenz.

Juliane Schmieglitz-Otten