Das Fürstengrab von Otzing, 660-620 v. Chr.

Archäologische Staatssammlung, München

Beim Bau eines Trainingsgeländes wurde im Juli 2011 eine 13 Quadratmeter große Grabgrube entdeckt. Als man nach der Freilegung eines Geschirrsatzes auch die Hinterlassenschaften des Toten bergen wollte, stellte der Kreisarchäologe Karl Schmotz fest, dass im Bereich des Skelettes eine ungewöhnlich hohe Anzahl an kleinsten Bronzefragmenten vorhanden war – ein Befund, der das Grabungsteam vor Ort überforderte. Auf Bitten übernahm daraufhin die Archäologische Staatssammlung die Bergung. Die Grabkammer wurde in zwei große Bereiche geteilt, der eine mit dem Geschirrsatz, der andere mit der Bestattung. Nach sorgfältiger Einschalung konnten beide im Block aus der Erde gehoben und in die Restaurierungswerkstatt nach München gebracht werden.

Die Restaurierungsarbeiten begannen zunächst mit einer Sicherung der Blöcke und ersten Untersuchungen. Während sich der Geschirrsatz als unproblematisch erwies und in situ erhaltbar bzw. eine Restaurierung der Gefäße möglich war, erwies sich sehr rasch, dass auch unter Laborbedingungen der Bereich der Bestattung eine große Herausforderung darstellen würde. In den dunklen Verfärbungen konnten mehrere Schichten aus Holz, Leder und Textilien festgestellt werden. Was sich darunter verbarg war zunächst nicht erkennbar, da der Block für eine Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen zu dick war. Mithilfe einer Spezialsäge konnte er soweit verkleinert werden, dass die Anfertigung eines Röntgenmosaiks über die gesamte Fläche möglich war. Das Ergebnis der Untersuchung war sensationell. Sichtbar wurden zehntausende von Metallnieten, die ursprünglich Gegenstände aus Holz und Leder zierten. Einige Objekte, wie ein Joch oder Lederriemen eines Geschirrs, ähnlich derjenigen, die wir von heutigen Brauereigespannen kennen, konnten bereits im Röntgenbild funktional bestimmt werden. Andere werden sich erst nach Abschluss der Restaurierung bestimmten lassen. Mehrere Laserscans und eine GIS-Datenbank ermöglichen eine exakte Dokumentation aller bei der Freilegung entfernten Schichten und die genaue Zuordnung der Ergebnisse entnommener Proben.

Prof. Dr. Rupert Gebhard