Chorbuchhandschrift in zwei Bänden,1565/1570

Bayerische Staatsbibliothek, München

Im Auftrag Herzog Albrechts V. von Bayern entstand von 1559 bis 1570 ein außergewöhnliches Chorbuch mit der Vertonung der Sieben Bußpsalmen durch Hofkapellmeister Orlando di Lasso, die in zwei Bänden auf 112 und 95 Blättern niedergeschrieben wurde. Der Münchener Maler Hans Mielich illuminierte die Komposition Lassos auf allen 207 Pergamentblättern im Groß-Folio-Format von 60 x 44 cm in zehnjähriger Arbeit auf das Prächtigste und brachte mit seinem Werk die Miniaturmalerei des 16. Jahrhunderts zu einem einmaligen Höhepunkt. Für seine Musica reservata ließ der Herzog monumentale Prachteinbände anfertigen, die mit ihren Goldschmiede- und Emailarbeiten Glanzlichter der neuzeitlichen Buchkunst sind. Das Gesamtkunstwerk beindruckt durch einen überwältigenden Szenenreichtum. Die Malereien nehmen Bezug auf den vertonten Text und umfassen biblische sowie mythologische und historische Szenen. Das übergroße Format mit dem daraus resultierenden Gewicht und die empfindlichen Materialien erschweren die Betrachtung der wertvollen Handschriften im Original. Daher war das große Forschungsinteresse von musikwissenschaftlicher und kunsthistorischer Seite der Auslöser für die Digitalisierung des Codex, in dessen Vorfeld auch die aufwendige Malschichtkonsolidierung steht. Eine Zustandsprüfung hatte ergeben, dass trotz der sorgfältigen maltechnischen Ausführung der Miniaturen gefährdete Bereiche vorhanden waren. Die Konsolidierung der Malschicht erfolgte am Mikroskop durch Applikation einer 1%igen Lösung von Hausenblase in destilliertem Wasser, einer hochreinen Gelatine aus der Schwimmblase des Störs, unter die brüchigen Bereiche der Malschicht mit einem feinen Pinsel. Erst die Restaurierung ermöglicht die Digitalisierung der beiden Codices unter restauratorischer Betreuung im Scanzentrum der Bayerischen Staatsbibliothek. Als Digitalisate sind die beiden Prachtchorbücher im Netz weltweit verfügbar, und die feinmalerische Qualität der Miniaturen Mielichs sowie die Details der Szenerien können jederzeit von allen Interessierten bestaunt werden.

Dr. Irmhild Schäfer