Alfred Grenander
Möbelensemble für die Weltausstellung von St. Louis, 1904

Bröhan-Museum, Berlin

Der schwedische Architekt Alfred Grenander wirkte Zeit seines Lebens vor allem in Berlin. Sein Hauptwerk ist die Berliner U-Bahn. Von 1902 bis zu seinem Tod schuf er insgesamt 70 Hoch- und Untergrundbahnhöfe. Durch diese Entwürfe und erste Villen, die Grenander in Berlin samt Inneneinrichtung entworfen und gebaut hatte, wurde auch das Kultusministerium auf ihn aufmerksam, das für die Weltausstellung 1904 in St. Louis nach modernen Gestaltern suchte. Neben Grenander erhielten auch Peter Behrens, Richard Riemerschmid und Josef Maria Olbrich Aufträge.

An Schreibtisch und Chiffoniere des Ensembles – entworfen für ein Damenzimmer – finden sich US-Zollaufkleber, die diese beiden zentralen Objekte eindeutig als zum Weltausstellungsensemble gehörig identifizierbar machen. Eine Möbelgruppe mit einer solchen Provenienz ist eine absolute Seltenheit. Die Ensembles der Weltausstellungen sind in den seltensten Fällen erhalten geblieben. Auf dem heutigen Kunstmarkt sucht man zusammengehörige Ensembles, die für den Jugendstil so bedeutend waren, vergebens.

Alfred Grenander hat mit seinen Entwürfen für St. Louis „erstmals Berlins Kunstgewerbe gleichberechtigt neben den bis dahin tonangebenden deutschen Kunstzentren wie München, Darmstadt, Dresden oder Magdeburg treten lassen“ – wie Brachmann und Steigenberger feststellen. Die Möbel dieses Grenander-Ensembles sind somit sicherlich die bedeutendsten Möbel, die Berlin zum Jugendstil beigesteuert hat. Gerade der Aspekt, dass man Grenanders Schaffen heute tagtäglich in Berlins U-Bahnen noch begegnen kann, macht diesen Gestalter, der nun endlich im Bröhan-Museum vertreten ist, zusätzlich interessant.

Dr. Tobias Hoffmann