Verlustobjekte Schloss Friedenstein Gotha - Projektstelle zur Aktualisierung von Lost Art-Datenbank-Einträgen

Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Die vielfältigen Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha wurden in über drei Jahrhunderten von den Gothaer Herzögen zusammengetragen. Mitte des 17. Jahrhunderts gründete Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg auf Schloss Friedenstein eine Kunstkammer, deren Werke den Kernbestand der Friedensteinschen Sammlungen bildet. Diese wurden von den nachfolgenden Regenten stetig erweitert und im Jahr 1879 in einem unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha neu errichteten Museumsbau untergebracht. Bis zu ihren kriegsbedingten Verlagerungen in den Jahren 1942 bis 1944 waren sie dort der Öffentlichkeit zugänglich. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren kam es neben dem Abtransport durch die Rote Armee zu Plünderungen und illegalen Verkäufen, womit die Gothaer Sammlungen nahezu all ihrer Glanzstücke beraubt waren.

Vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Schloss Friedenstein unter Einbeziehung der historischen Wohn- und Repräsentationsräume das Schlossmuseum eröffnet. In den Jahren 1958 und 1959 kehrten viele Kunstwerke nach Gotha zurück, die nach Kriegsende zunächst von der Roten Armee beschlagnahmt und in die damalige Sowjetunion verbracht worden waren. Ein bedeutender Teil der Verlustobjekte, insbesondere Gemälde, Skulpturen, Archäologica und Kunsthandwerk sind jedoch nicht zurückgekehrt. Der Verbleib der meisten Werke ist bis heute ungeklärt.

Umso wichtiger ist eine akkurate Dokumentation der gesuchten Objekte in der Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in Magdeburg. Dort sind derzeit 1303 Suchmeldungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha verzeichnet. Um den Anspruch der Stiftung auf die unrechtmäßig entzogenen Werke zu dokumentieren und öffentlich nachzuweisen, ist eine Aktualisierung der Daten und die Anreicherung mit neuen Erkenntnissen zu verschwundenen, restituierten und im Kunsthandel angebotenen Werken dringend erforderlich.

Abbildungen:
1 Apoll
Meister unbekannt, Anfang 18. Jh.
Elfenbein, Glas, Bernstein
H: 19,0 cm; B (Fuß): 6,0 cm
Verbleib unbekannt
© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Foto: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

2 Agnes Strehlau
© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Foto: Ingrid Dettmann

3 Aktenordner mit alten Fotografien von Verlustobjekten
© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Foto: Ingrid Dettmann

Aufgrund der Corona-Pandemie war dieses Jahr nicht nur für Museen schwierig, sondern besonders auch für freie und in Projekten befristet eingestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen die Museumsarbeit jedoch so viel zu verdanken hat. Umso dankbarer sind wir, mit Frau Agnes Strehlau nun eine Fachkraft engagieren zu können, die unser Team unterstützt, weitere Nachforschungen zu den Verlusten der Stiftung anstellt und die erforderliche Aktualisierung der Einträge in der Lost Art-Datenbank vornimmt. Wir freuen uns daher sehr, dass diese wichtige Projektstelle Dank der Corona-Förderlinie der Ernst von Siemens Kunststiftung finanziert werden kann!

Dr. Tobias Pfeifer-Helke, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Ein Projekt der Corona-Förderlinie für Selbständige in Museen und Sammlungen

Ernst von Siemens Kunststiftung Corona Förderlinie