Restaurierung historischer Abgüsse nach den berühmten Konkurrenzreliefs Ghibertis und Brunelleschis für die kunsthistorische Lehre

Instituts für Kunstgeschichte der Johannes -Gutenberg -Universität, Mainz

Die Konkurrenzreliefs von den beiden bedeutenden Künstlern der Florentiner Frührenaissance, Lorenzo Ghiberti und Filippo Brunelleschi, entstanden im Wettbewerb um den Auftrag des Nordportals des Florentiner Baptisteriums, den die für das Baptisterium zuständige Arte di Calimala (Zunft der Geldwechsler) 1401 ausgelobt hatte. Lorenzo Ghiberti ging bekanntlich siegreich aus dem Wettbewerb hervor, an dem insgesamt sieben Bewerber teilnahmen. Gleichwohl sind nur diese beiden Reliefs erhalten. Sie waren zeitweise in der Alten Sakristei in San Lorenzo installiert und kamen im 18. Jahrhundert zunächst in die Uffizien, um schließlich in den Bargello gebracht zu werden. Von der akademischen Kunstgeschichte wurden sie als Gründungswerke der Renaissance gewürdigt.

Die Mainzer Abgüsse stammen aus einem im 19. Jahrhundert gegründeten Verein der Freunde plastischer Künste, der zunächst nur Abgüsse und Nachbildungen antiker Statuen sammelte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen dann Kopien berühmter Werke der italienischen und nordischen Renaissance hinzu. Der Höhepunkt dieser Sammlungstätigkeit stellt die Gipskopie des Moses von Michelangelo dar, der in Köln 1898 hergestellt wurde und noch im gleichen Jahr in die Mainzer Sammlung kam, die zunächst im kurfürstlichen Schloss, dann im Haus am Dom ausgestellt war. Sie überstand den zweiten Weltkrieg und wurde anlässlich der Universitätsgründung 1946 der Universität geschenkt, die die Kopien der Antiken dem Institut für klassische Archäologie und die Kopien nach der Renaissanceskulptur dem Institut für Kunstgeschichte vermachte.

Ungebrochen haben diese beiden Reliefs eine Relevanz für die kunsthistorische Lehre: hieran lässt sich die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Künstler, aber auch die Strukturen des künstlerischen Wettbewerbs exemplarisch aufzeigen. Zudem hat die Thematik der Bedeutung von Kopien auch in ihrer unterschiedlichen medialen Umsetzung an Bedeutung gewonnen. Die Gipskopien machen eindrücklich erfahrbar, wie präsent die für den bürgerlichen Geschmack der Zeit so wichtigen Werke der italienischen Renaissance auch nördlich der Alpen waren.

 

Abbildungen:

1 Abguss nach Filippo Brunelleschi, Opferung des Isaak, (Original: Florenz, Museo Nazionale del Bargello; 1401), 40 x 44 cm, Sammlung des Instituts für Kunstgeschichte der Johannes -Gutenberg -Universität in Mainz. © Instituts für Kunstgeschichte der Johannes -Gutenberg -Universität in Mainz

2 Abguss nach Lorenzo Ghiberti, Opferung des Isaak, (Original: Florenz, Museo Nazionale del Bargello; 1401) Gips, 40 x 44cm, Sammlung des Instituts für Kunstgeschichte der Johannes -Gutenberg -Universität in Mainz. © Instituts für Kunstgeschichte der Johannes -Gutenberg -Universität in Mainz

3 Der freiberufliche Restaurator Waldemar Muskalla an der Arbeit am Abguss nach Brundelleschi. © Restaurierungswerkstatt Waldemar Muskalla, Foto: Waldemar Muskalla

"Leider hat der Zahn der Zeit auch an den zwei Gipskopien der Konkurrenzreliefs von Ghiberti und Brunelleschi seine Spuren hinterlassen. Neben der Schädigung der Farbfassung und oberflächlichen Substanzverlust, müssen einige abgängige Partien anhand von Fotos rekonstruiert werden. Dank der Fördergelder ist es nun möglich diese in einen ausstellungswürdigen Zustand zu versetzen und eine fachliche Beschäftigung mit Ihnen in der kunsthistorischen Lehrsammlung der Mainzer Universität zu ermöglichen."

Waldemar Muskalla, selbständiger Restaurator

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