Restaurierung Hendrik ter Brugghens Gemälde "Der Zecher" von 1627

Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek

Erfahrungsgemäß müssen im Museumsalltag gelegentlich wichtige Restaurierungen gegenüber aktuell vordringlicheren Projekten zurückgestellt werden. Ein Beispiel hierfür aus dem Bestand der Alten Pinakothek ist Der Zecher von Hendrik ter Brugghen, vom Künstler signiert und 1627 datiert.

Als einziges Gemälde dieses Meisters in der Sammlung war es in der Vergangenheit immer Teil der ständigen Präsentation der Abteilung für Holländischen Malerei. Die letzte Restaurierung liegt etwa 70 Jahre zurück und seit einiger Zeit sind an dem Werk durch Prozesse der Materialalterung zunehmend optische Veränderungen wahrzunehmen. Dies betrifft alte Retuschen, die sich über die Jahre in störender Weise farblich verändert haben, aber auch einen ungleichmäßig gealterten Firnis. Zudem scheinen Bereiche der originalen Malerei merklich von ihrer ursprünglichen Farbkraft eingebüßt zu haben.

Kunsttechnologische Untersuchungen dieser Phänomene sind erfolgt, nicht zuletzt auch mit dem Scanner für das Röntgen-Fluoreszenz-Imaging, dessen Erwerb 2016 schon durch die Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglicht wurde. Ebenso liegt ein Konzept zu Art und Umfang von Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen vor. Seit längerem ist das Werk für die Besucher nicht mehr an seinem gewohnten Platz in der Galerie zu finden und es bestand daher der ausdrückliche Wunsch, das im Bestand singuläre und im Kontext der Sammlungspräsentation wichtige Werk wieder ausstellen zu können.

Dass dank der Förderung der EvSK dieses so bedeutsame Restaurierungsprojekt nun kurzfristig in Angriff genommen werden kann, ist in mehrfacher Hinsicht besonders erfreulich: Frau Dipl. Rest. (FH) Martina Kupser, freiberufliche Gemälderestauratorin, deren Arbeit für die Sammlung bereits während ihrer Zeit als wissenschaftliche Volontärin der Restaurierungsabteilung des Doerner Instituts sehr geschätzt wurde, kann nun mit dieser Maßnahme beauftragt werden. In Corona Zeiten bedeutet dies für sie in Ihrer beruflichen Situation eine große Hilfe mit einem zugleich motivierenden Impuls.

Daneben ist im Zuge der Arbeiten weiterer Erkenntnisgewinn zu den farblichen Veränderungen lichtempfindlicher Pigmente bei dem Gemälde zu erwarten, das dann demnächst für unsere Besucher wieder seinen angemessenen Platz in der Galerie der Alten Pinakothek einnehmen kann.

Abbildungen:
1) Hendrik ter Brugghen (1588 - 1629), „Der Zecher“ signiert und 1627 datiert, Leinwand, 71,3 x 60,0 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. 4845.

2) Dipl. Restauratorin Martina Kupser bei der Untersuchung des Gemäldes.

© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Foto: Elisabeth Greil

»Mit der Corona-Förderlinie unterstützt die Ernst von Siemens Stiftung zur richtigen Zeit an richtiger Stelle. Ich bin sehr dankbar, dass ich zu den zahlreichen freiberuflichen Restaurator:innen gehören darf, denen Sie auf diese Weise in der aktuell schwierigen Lage helfen.«

Martina Kupser, Dipl.Rest. (FH)

Ein Projekt der Corona-Förderlinie für Selbständige in Museen und Sammlungen

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