Restaurierung eines Konvoluts an Skizzen und Studien von Hans Bimler (1860-1929)

Oberschlesisches Landesmuseum

Die große zeichnerische Begabung des 1860 in Godullahütte bei Beuthen/OS geborenen Hans Bimler zeigte sich bereits in seinen Jugendjahren. Der frühe Tod des Vaters zwang Bimler allerdings, seine Schullausbildung am Königlichen Gymnasium in Beuthen abzubrechen und eine Tätigkeit als Volksschullehrer aufzunehmen. Erst 1887 konnte er für ein Jahr die Kgl. Kunst- und Kunstgewerbeschule in Breslau besuchen und dort die Zeichenlehrerprüfung ablegen. Von 1899 bis 1920 unterrichte er als Oberlehrer Handzeichnen an der Katholischen Oberrealschule in Beuthen.

Als Landschaftsmaler und Gestalter von Urkunden hochgeschätzt kommt Hans Bimlers Bedeutung für das oberschlesische Kulturleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem auch in seiner Tätigkeit als Kunst- und Antiquitätensammler und -forscher zum Ausdruck. Ihr ist die Gründung des Beuthener Geschichts- und Museumsvereins im Jahr 1910 wesentlich zu verdanken. Hans Bimler war – unterstützt von seinem Sohn, dem Kunsthistoriker und Bildhauer Kurt Bimler – von 1910 bis 1919 der erste Leiter des Museums, aus dem schließlich das Oberschlesische Landesmuseum in Beuthen hervorging: bis heute eines der wichtigsten Häuser der Region und langjähriges Partnermuseum des OSLM.

In der Sammlung des OSLM befinden sich etwa 100 Bleistift- und Federzeichnungen sowie einige Aquarelle von Hans Bimler. Anders als seine in der Tradition des Biedermeier stehende Ölmalerei sind Bimlers Landschaftsskizzen und Studien spontane und ungemein realistische künstlerische Notizen des ländlichen Oberschlesien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie zeigen Bauernhäuser und Schrotholzkirchen, Wälder und Baumgruppen, Wege, Bäche und Flüsse vor allem aus dem Umkreis von Beuthen, Oppeln und Pleß sowie aus den Beskiden. Bimler Arbeiten sind dabei von hoher zeichnerischer Qualität und überaus präzise und detailreich.

Abbildungen:
1 Hans Bimler
Weite Berglandschaft, 1901
Aquarell
22 x 13,5 cm

2 Hans Bimler
Berglandschaft, 1916
Federzeichnung
31,2 x 21,4 cm

3 Hans Bimler
Birkenweg in Rokittnitz, 1904
Federzeichnung
22,1 x 30,5 cm

© Stiftung Haus Oberschlesien - Oberschlesisches Landesmuseum

»Die qualitätvollen Zeichnungen Hans Bimlers wurden seinerzeit mit zahlreichen Selbstklebebändern montiert, deren Alterung bereits zu starken optischen Veränderungen geführt hat. Dank der großzügigen Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung kann die fortschreitende Schädigung rechtzeitig gestoppt werden und die Arbeiten ohne Beeinträchtigung erhalten bleiben.«

Sabine Güttler, Diplom-Restauratorin

Ein Projekt der Corona-Förderlinie für Selbständige in Museen und Sammlungen

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