Restaurierung eines barocken Engelskopfes im Kunstmuseum Moritzburg

Kunstmuseum Moritzburg, Halle (Saale)

Der mit einem Lorbeerkranz bekrönte Engelskopf mit seitlich ausgebreiteten Flügeln führte im Depot des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) seit Jahrzehnten ein Schattendasein. Mit der Sichtung barocker Werke im Jahr 2020 in Vorbereitung der neuen Sammlungspräsentation Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts im sogenannten Talamtsgebäude im Südflügel der Moritzburg wurde er für eine Präsentation im Barockzimmer in Erwägung gezogen. Dies war jedoch erst nach einer Restaurierung möglich, für die zum damaligen Zeitpunkt keine Haushaltsmittel zur Verfügung standen. Ende 2020 konnten kurzfristig Mittel bereitgestellt werden, sodass mit der Reinigung des Engelskopfes begonnen werden konnte.

Stellt man die ursprüngliche Fassung weitgehend wieder her, wird der Engel eine helle, leichte, fast flirrende Ausstrahlung erhalten und sehr viel von seinem einstigen freundlichen Charme zurückgewinnen. Seine Formgebung lässt annehmen, dass er nicht aus der mittel- oder norddeutschen Region stammt. Wahrscheinlich war er als Bekrönung an einer Holzarchitektur angebracht. Man könnte sich etwas Ähnliches wie eine Patronats- oder Familienloge, ein Epitaph oder einen Kanzelaufbau vorstellen. Im Moment können diese Zusammenhänge nur vermutet werden, weiterer Forschung müssen folgen, für die die jetzige Restaurierung eine wichtige Grundlage darstellt.

Über die Provenienz des Engelskopfes ist aus den Museumsunterlagen bisher nur bekannt, dass einer der potentesten Förderer des Museums, der hallesche Großkaufmann Carl Haenert, das Werk 1909 dem Museumsdirektor Max Sauerlandt als Schenkung übergab. Von anderen Fällen ist bekannt, das Sauerlandt Haenert öfter dazu bewog, den Erwerb von Werken zu realisieren, für die sein begrenzter Museumsetat nicht ausreichte. Vielleicht war das auch in diesem Fall so.

Abbildungen:
1-2 Engelskopf, bekränzt (Barock)
Holz, verschiedenfarbig gefasst
40 x 82 x 10 cm
1909 als Schenkung des halleschen Unternehmers Carl Haenert erworben
© Kunstmuseum Moritzburg

3 Andrea Himpel, Restauratorin (stehend) und Assistentin Linda Haselbach

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