Restaurierung einer verkleinerten Replik des Reiterstandbilds Friedrich II

Deutsches Historisches Museum

Das über 13 Meter hohe Reiterdenkmal Friedrich II. auf dem Berliner Prachtboulevard „Unter den Linden“ von Christian Daniel Rauch gilt als eines seiner Hauptwerke und wichtigsten Reiterstandbilder und Kunstdenkmale des 19. Jahrhunderts in Deutschland. In seiner künstlerischen Gestaltung markiert es den Übergang von Romantik und Klassizismus zum Realismus. Mit seiner Eröffnung 1851, zum 111. Jubiläum der Thronbesteigung Friedrich des Großen und seiner eigenen Denkmalgeschichte spiegelt es die wechselvolle Geschichte Deutschlands wie kaum ein anderes Kunstdenkmal.

Das DHM konnte vor einigen Jahren eine verkleinerte Replik - eine sogenannte Reduktion - des Denkmals erwerben (Inv.-Nr. Pl 2016/1). Das aufwändig und auf hohem technologischem Stand der Zeit hergestellte Stück zeigt beispielhaft den Kult um den Preußenkönig – sowohl bei den Hohenzollern selbst als auch in der Bevölkerung. Mit einer Sonderausstellung „Friedrich der Große. Verehrt. Verklärt. Verdammt.“ (2012) wurde die Thematik, die ebenso in der aktuellen Dauerausstellung angeschnitten wird, aufgegriffen. In einer neuen ständigen Ausstellung zur deutschen Geschichte könnte die Replik des Standbilds, den Mythos um die Person des Preußenkönigs ideal aufbereiten.

Die Reduktion wurde mehrteilig aus Zink gegossen, die Oberflächen galvanisch verkupfert und künstlich galvanisch oder chemisch patiniert, um seinem Original aus Bronze optisch zu entsprechen. Als Größenverhältnis wurde ein Maßstab von ca. 1:16 gewählt und die Reduktion ist mit ca. 84 cm Höhe (inkl. Holzsockel) und seiner Detailtreue ein beeindruckendes Zeugnis der hohen kunsthandwerklichen Fertigkeit der Bildgießer des 19. Jahrhunderts. Interessant auch der Farbton beim Stück- im Gegensatz zu seinem im Freien befindlichen Vorbild, nicht mit grüner bis dunkelgrauer Patina und Rinnspuren, sondern relativ einheitlich in mittelbraunem Ton mit einem dezenten metallischen Glanz, also wie zu Zeiten der Errichtung des Denkmals.

Abbildungen:
1 Verkleinerte Replik des Reiterdenkmals Friedrich II
2 Dr. Sabine Beneke, Sammlungsleiterin Kunst / Gemälde und Skulpturen Deutsches Historisches Museum, neben der verkleinerten Replik des Reiterdenkmals Friedrich II.

Wir haben uns sehr über die schnelle und unbürokratische Mittelbewilligung der Ernst von Siemens Stiftung gefreut! Die aufwändige Restaurierung der erst vor wenigen Jahren erworben verkleinerten Replik des Reiterstandbilds Friedrichs des Großen von Christian Daniel Rauch kann nun von einem Spezialisten vorgenommen werden. Das Deutsche Historische Museum hat von jeher einen Sammlungsschwerpunkt zu Friedrich II. und seiner Rezeption. Seine Bedeutung wird mit dem restaurierten Reiterstandbild enorm gewinnen. Das Anliegen der Ernst von Siemens Stiftung, die von den Corona-Einschränkungen ganz besonders betroffenen Freiberufler unmittelbar zu unterstützen, verdient großen Respekt.

Dr. Sabine Beneke, Sammlungsleiterin Kunst / Gemälde und Skulpturen Deutsches Historisches Museum

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