Pechstein, Heckel und Kirchner in neuem Farbglanz

Brücke Museum Berlin

Das Brücke-Museum sammelt und erforscht Werke der expressionistischen Künstlergruppe Brücke und ist das einzige Museum weltweit mit diesem Schwerpunkt. Es verwahrt einen renommierten Bestand an Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen, Druckgrafiken, Skulpturen und kunsthandwerklichen Arbeiten von allen Mitgliedern der Künstlervereinigung sowie Freunden und Wegbegleitern. Die Sammlung gewährt intensive Einblicke in die gesamte Schaffenszeit der beteiligten Künstler der Gruppe – auch über das Ende der Brücke-Zeit hinaus. Durch ein aktives und gesellschaftlich relevantes Ausstellungs- und Begleitprogramm rückt das Museum neue Perspektiven auf den deutschen Expressionismus in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Künstlerische und gesellschaftliche Innovationen – danach suchten die jungen Protagonisten der Brücke, der Max Pechstein 1906 beitrat. Im bewussten Gegensatz zur Salonmalerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts, deren Ideal eine glatte Bildoberfläche ohne ausmachbaren Pinselstrich war, gewann das Sichtbarmachen des Malprozesses für Pechstein und seine Kollegen an besonderer Bedeutung. Das Gemälde Eliasfriedhof in Dresden ist eines der eindringlichsten Zeugnisse aus Pechsteins Frühwerk für diese Entwicklung. Er trug die Farben hier überwiegend pastos auf, sodass der Duktus des Pinsels deutlich zu erkennen ist. Mal breit und kurvig, mal kürzer und kommahaft, rhythmisiert die Strichführung die einzelnen Bildpartien.

1907 verbrachte Erich Heckel das erste Mal den Sommer an der oldenburgischen Nordseeküste. Das Fischerdorf Dangastermoor und der dichter am Wasser gelegene Kurort Dangast wurden ihm in den Folgejahren wichtiger Rückzugsort fernab der Großstadt. Die meisten der in der Küstenregion entstandenen Gemälde, so auch Marschland, zeigen einen weniger pastosen Farbauftrag, als es zuvor für Heckels Malweise charakteristisch war. Farben verwendete der Künstler nicht länger direkt aus der Tube, sondern mischte ihnen Verdünnungsmittel bei, was einen rascheren Farbauftrag ermöglichte. Eine zunehmende Hinwendung zu einem flächig organisierten Bildaufbau ist zu beobachten. Marschland steht am Anfang dieser Entwicklung. Noch setzt sich das Motiv aus plastisch hervortretenden, einzeln gesetzten Pinselstrichen zusammen, die die hell grundierte Leinwand immer wieder zum Vorschein kommen lassen. Doch ist die Tendenz zu einer dünnflüssigeren Malweise ersichtlich, bei der die unterschiedlichen Ölfarben ineinander übergehen.

Das von einem Buch über die indische Höhlenmalerei inspirierte, großformatige Gemälde Frauen im Bade bereitete Kirchner mit zahlreichen Zeichnungen und Studien vor. Statt kräftiger reiner Farben, welche er in seiner frühen Berliner Zeit bevorzugte, griff der Künstler in der Komposition zu blassen und kühlen Tönen, die überwiegend deckend auf den Bildträger aufgetragen sind.

Abbildungen:

1 Ernst Ludwig Kirchner
Frauen im Bade, 1911
Öl auf Leinwand
Brücke-Museum
Foto: Nick Ash

2 Max Pechstein
Eliasfriedhof in Dresden, 1906
Öl auf Leinwand
Brücke-Museum, © Pechstein – Hamburg / Tökendorf
Foto: Nick Ash

3 Erich Heckel
Marschland, 1907
Öl auf Leinwand
Brücke-Museum, © VG Bild- Kunst, Bonn 2020
Foto: Nick Ash

4 Lisa Marei Schmidt, Direktorin des Brücke-Museums, Foto: David von Becker

»Dieses Jahr stellt für die gesamte Kulturbranche eine besondere Herausforderung dar und wir sehnen uns alle nach guten Nachrichten. Für uns kamen diese am Tag der abermaligen Schließung des Brücke-Museums. Mit der wunderbaren Unterstützung können wir elementar notwendige Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen an drei Hauptwerken aus unserer Sammlung verwirklichen. Diese Arbeit ist nicht nur zur substantiellen Bestandsicherung von immenser Bedeutung, sondern auch ein hoffnungsvolles und wertschätzendes Signal für unsere externen Mitarbeiter*innen.«

Lisa Marei Schmidt
Direktorin des Brücke-Museums

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