Anti-Kriegs-Performance: Charlotte Moormans "Bomb Cellos" werden erforscht

Bacon Studios Berlin

Die professionelle Cellistin und Performancekünstlerin Charlotte Moorman arbeitete eng mit Nam June Paik, einem Pionier der Videokunst zusammen, der mit ihr bzw. für sie die berühmten „TV Bras“ entwickelte, die sie mehrfach bei ihren Performances trug. Zudem gründete sie das weltweit erste Festival zu Performance Kunst, das sie über mehr als 10 Jahre lang ohne Budget, doch mit enormer Überzeugungskraft in New York veranstaltete und damit jährlich Künstler*innen aus der ganzen Welt anzog. Als engagierte Feministin performte Moorman auf teils selbst gebauten Instrumenten moderne elektronische Musikstücke von befreundeten Komponistinnen, etwa Carolee Schneeman, Yoko Ono und Elaine Radigue. Sie nimmt damit spartenübergreifend eine herausragende Rolle zwischen Kunst und moderner Musik ein. Ihr außergewöhnliches weltweites Netzwerk sowohl im Bereich der modernen Musik als auch im Bereich der bildenden Kunst, Video- und Performancekunst bildet einen großen Teil der internationalen Kunst- und Musikszene ab.

Über zwanzig Jahre lang hat Charlotte Moorman ab 1965 verschiedene Versionen ihrer „Bomb Cellos“ entwickelt und darauf bei Kunstausstellungen und Happenings als künstlerische Antikriegsproteste gespielt. Ihnen ist gemein, dass sie aus umgebauten amerikanischen Fliegerbomben bestehen. Seit ihrem Tod im Jahr 1991 werden die „Bomb Cellos“ nicht mehr gespielt, sondern lagern als reine Kunstobjekte in privaten und öffentlichen Sammlungen.

Die Instrumente haben keinen eigenen Resonanzkörper und müssen, um überhaupt hörbar zu sein, elektronisch verstärkt werden. Die dazu verwendete Technik ist nicht dokumentiert. Die Erforschung des „Bomb Cellos“ greift in die Bereiche Bildende Kunst, Musik, Kunst- und Musikwissenschaft und Restaurierung.

Deshalb wurde die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Sebastian Berweck, Experte für antiquierte elektroakustische Instrumente und der Cellistin Sonja Lena Schmid begonnen. Gemeinsames Ziel ist es, Werk und Wirken von Charlotte Moorman sichtbar, hörbar und fächerübergreifend nutzbar zu machen. Dazu soll das zu einem Performancerelikt gefrorene „Bomb Cello“ doppelt wiederbelebt werden: sowohl als Musikinstrument als auch als zentraler Bestandteil ihrer Performances.

Katharina Haider

Abbildungen:

1 Charlotte Moorman spielt auf einer zu einem Cello umgebauten amerikanischen Fliegerbombe von 1966 auf dem Messestand der Carl Solway Gallery in Chicago 1984. Polaroid. (C) Courtesy of Carl Solway Gallery, Cincinnati, photo by Cal Kowal.

2 Katharina Haider, Restauratorin und Geschäftsführerin, Bacon Studios Berlin/ München (Foto: Lukas Papierak)

»Charlotte Moorman hat ab 1965 verschiedene Versionen ihrer „Bomb Cellos“ entwickelt und darauf in Performances gespielt. Das Projekt will Werk und Wirken von Charlotte Moorman sichtbar, hörbar und fächerübergreifend nutzbar machen.«

Katharina Haider, Restauratorin und Geschäftsführerin der Bacon Studios, Berlin/München

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