„Ansicht des Potsdamer Bahnhofs und seiner Umgebung“ von Julius Jacob und Wilhelm Herwarth, um 1890

Stadtmuseum Berlin

Julius Jacob und Wilhelm Herwarth waren wichtige und prägende Künstlerpersönlichkeiten Berlins im ausgehenden 19. Jahrhundert. Ihre Schilderungen des „alten“ Berlins, die sie bekannt machten, sind keine wehmütigen Versatzstücke, sondern künstlerische Dokumente der sich im steten Wandel befindenden Großstadt Berlin.

Die großformatige und äußerst detailgetreu wiedergegebene Ansicht erlaubt einen seltenen Blick auf das geschäftige Zentrum Berlins zu Zeiten der Belle Époque. Zu sehen ist vom Potsdamer Platz aus der 1868 bis 1872 erbaute Potsdamer Bahnhof, an dessen Stelle heute der Tilla- Durieux-Park liegt. Zur Linken kann man das Hotel Fürstenhof an der Ecke Königgrätzer-, der heutigen Stresemannstraße erkennen. Zur Rechten ist die in den Potsdamer Platz einmündende Potsdamer Straße sichtbar. Die Ansicht ist durch eine vielteilige Staffage belebt. In solchen Details wird deutlich, wie Julius Jacob und Wilhelm Herwarth, jeder als Meister seines Fachs, es verstanden, die äußerst wirklichkeitsgetreue Wiedergabe des Ortes harmonisch mit malerischen Werten zu verbinden. So entsteht ein ungewöhnlich lebensnaher Blick auf den wohl bedeutendsten Berliner Platz, der in dieser Form heute nicht mehr existiert. So ist auch die Ansicht des Potsdamer Platzes nicht nur die Abbildung eines Verkehrsplatzes, sondern ein mit malerischen Akzenten vorgetragenes Werk weltstädtischer Weitläufigkeit. Die Zeichnung von Julius Jacob und Wilhelm Herwarth ist ein Beleg, der eine entscheidende Wende in der Entwicklung des Ortes vom Platz vor den Toren der Stadt zu einem großstädtischen Knotenpunkt beschreibt. Mit seinem übergroßen Format von 110 x 217 cm weist das Bild von Jacob und Herwarth weit über damals übliche Größen für Veduten hinaus. Unbekannt ist, ob das „Schaubild“ im Auftrag entstand.

Geplant ist, das Werk mit dem Potsdamer Bahnhof in Kombination mit der bereits in der Sammlung befindlichen Arbeit zu der Janowitzbrücke in Berlin baldmöglichst in der Ausstellung „Berlin global“ auf der Fläche des Landes Berlin als zukünftig weiterem Standort der Stiftung Stadtmuseum Berlin im Humboldt Forum zu zeigen.

Abbildungen:

1) Julius Jacob (geb.1842 Berlin, gest. 1929 Berlin) und Wilhelm Herwarth (geb.1853 Berlin, gest.1916 Berlin), Ansicht des Potsdamer Bahnhofs und seiner Umgebung, um 1890; Feder in Schwarz, Aquarell und Deckfarben auf bräunlichem Papier, 110 x 217,5 cm. Unten rechts bezeichnet „Jul. Jacob / Herwath“, vor der Restaurierung.

2) Direktor der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Paul Spies © Stadtmuseum Berlin, Fotograf: Michael Setzpfandt.

»Diese Zeichnung mit Aquarellfarben von Jacob und Herwarth wird nach ihrer Restaurierung eines der Glanzpunkte zukünftiger Berlin-Ausstellungen sein! Das über zwei Meter breite Werk gibt einen Einblick auf den Potsdamer Platz um 1890 mit lebendigem Treiben rund um den damaligen Potsdamer Bahnhof. Wir sind dankbar, dass dies durch die Förderung ermöglicht werden kann.«

Paul Spies, Direktor der Stiftung Stadtmuseum Berlin

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