Ernst von Siemens Preis für Kunst und Handel
„Wenn eine Stiftung nicht weiterweiß, erfindet sie einen Preis“ – das Zitat wird, ohne dass es dafür einen konkreten Beleg gibt, dem Aktionskünstler André Heller zugeschrieben. Nach knapp 20 Jahren im Stiftungsgeschäft würde man das eigentlich gerne unterschreiben und auf die Einführung eines neuen Preises verzichten.
Dennoch hat die Ernst von Siemens Kunststiftung (EvSK) einen neuen Preis „erfunden“, den „Ernst von Siemens Preis für Kunst und Handel“, der herausragende Kooperationen zwischen Museen, Kunsthandel, Wissenschaft und Mäzenen würdigt.
Unser Ziel
Der Preis zeichnet Projekte aus, die durch wissenschaftliche Forschung oder Mäzenatentum auf Seiten des Kunsthandels zur Identifikation, Erwerbung oder Rückführung bedeutender Kunstwerke in Museumssammlungen beitragen. Der Preis möchte den Kunsthandel dazu animieren, mäzenatischer gegenüber Museen zu agieren, und würdigen, wenn dieser gegenüber Museen freigiebig Wissen und Informationen teilt, zeitaufwändige Untersuchungen zum Zustand oder Echtheit von Werken ermöglicht, tiefergehende Provenienzrecherchen unterstützt und Hängepartien bei den komplexen Finanzierungsfindungen erträgt.
Eine internationale Erweiterung des Formats oder Zusammenarbeit mit weiteren Stiftungen ist möglich. Naturgemäß liegt der Fokus der EvSK in erster Linie auf deutschen Museen.
Die Preisverleihung anlässlich der Kunstmesse TEFAF Maastricht bietet der EvSK zudem die Gelegenheit, Partnern für die Zusammenarbeit des vergangenen Geschäftsjahres zu danken und durch ein neues intensives Gesprächsformat den persönlichen Austausch zu vertiefen.
Preisvergabe
In Form einer kleinen Plakette wird der Preis einmal im Jahr an eine erfolgreiche Kooperation zwischen Museum und Kunsthandel verliehen.
Das „Preisgeld“ beträgt bis zu 100.000 € und soll für eine zu beantragende Ausstellung, Publikation, Film oder andere Präsentations- oder Vermittlungsform des gemeinsamen Projekts verwendet werden. Die Mittel werden dem Museum im Rahmen eines abgestimmten Projektantrags bei der EvSK zur Verfügung gestellt.
Beispiele für preiswürdige Projekte sind:
- Die Wiederentdeckung und Rückführung eines verlorenen oder entfremdeten Museumsobjektes mithilfe des Kunsthandels.
- Eine großzügige, echt mäzenatische Preisgestaltung zugunsten eines Museumserwerbs oder einer Schenkung /Teilschenkung eines bedeutenden Exponats durch den Kunsthandel an das Museum.
- Die Bereitstellung von Forschungsergebnissen und Informationen durch Händler, Wissenschaftler oder Sammler ermöglicht dem Museum eine wichtige Erwerbung.
- Ein Kunstwerk wird durch die Forschung des Kunsthandels als bedeutendes Museumsexponat identifiziert und durch das jeweilige Museum erworben. Dem Museum werden die gewonnenen Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt.
- Schließlich, wenngleich nicht strikt im System des „Preises für Kunst und Handel“ – behalten wir uns vor, auch Schenkungen oder Teilschenkungen eines bedeutenden Exponats oder von Konvoluten auszuzeichnen, die von privat an ein Museum erfolgen, gerne mit Beteiligung des Handels.
Einreichung der Vorschläge
Es können Kooperationsprojekte aus den vergangenen fünf Jahren eingereicht werden. Projekte können von der Jury, durch von der EvSK angesprochenen Nominatoren oder anderen Interessierten vorgeschlagen werden. Die Einreichung der Vorschläge durch erfolgt durch das Formblatt „Projektvorschläge“ digital an die Geschäftsstelle der EvSK. Bis Ende Juli 2026 können Projektvorschläge für die Preisvergabe 2027 eingereicht werden.
Entscheidungsprozess
Die Jury besteht aus fünf bis zwölf Museumsvertretern, idealerweise einem nicht aktiven Kunsthändler, dem Stiftungsrat und der EvSK-Geschäftsführung.