Zwei Girandolen der Chursächsischen Spiegelfabrik Sachsen, um 1789/90

Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Mit dem Erwerb dieses Girandolenpaares ist es gelungen, ein weiteres gestalterisch und handwerklich herausragendes Meisterwerk der Chursächsischen Spiegelfabrik für Dresden zu sichern. Die vom sächsischen Hof geförderte Manufaktur brachte im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert hochwertige, in vergoldeten Messingmonturen gefasste Glaswaren hervor – darunter Spiegel, Luster, Leuchterampeln und Tafelaufsätze –, die in ganz Europa als erlesen galten.

Bereits 2021 konnte das Kunstgewerbemuseum mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung und weiterer Fördergeber einen spektakulären Leuchter in Ei-Form aus der Produktion der Manufaktur erwerben. Seine ungewöhnliche Form und herausragende Qualität wurden durch eine besonders seltene zeitgenössische Dokumentation ergänzt: Im „Journal des Luxus und der Moden“ erschien im März 1800 eine farbige Abbildung mit ausführlicher Besprechung, die ihn eindeutig als Erzeugnis der Chursächsischen Spiegelfabrik auswies.

Die Entdeckung des Leuchters durch den Kunsthändler Frank C. Möller führte zu ersten systematischen Recherchen zur Manufaktur. Dabei zeigte sich, dass das Journal weitere Meisterwerke vorstellte. So findet sich in der Dezemberausgabe von 1789 ein Leuchter, der den Urtypus des nun erworbenen Girandolenpaares darstellt. Die Stücke lassen sich damit in die Frühphase der Chursächsischen Spiegelfabrik einordnen, nachdem diese ab 1786 durch die kurfürstliche Rentkammer gefördert worden war.

Das Girandolenpaar weist einen exzeptionellen Erhaltungszustand auf: Es wurde nie elektrifiziert und besitzt eine weitgehend originale Konstruktion sowie eine authentische Feuervergoldung. Damit stellt es einen wichtigen Bestand für zukünftige restaurierungswissenschaftliche und materialtechnologische Untersuchungen dar, die im Rahmen der weiteren Erforschung der Manufaktur am Kunstgewerbemuseum erfolgen sollen.

Christiane Ernek-van der Goes

 

Die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Hermann Reemtsma Stiftung und der Freundeskreis Museis Saxonicis Usui (MSU) – Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e.V. überreichen dem Kunstgewerbemuseum Dresden die Leuchter gemeinsam als Geschenk zu dessen 150-jährigem Jubiläum.

Abbildung 1: Zwei paarige Girandolen, Chursächsische Spiegelfabrik, um 1889/90

Abbildung 2: Girandole der Chursächsischen Spiegelfabrik, Journal des Luxus und der Moden, Dezember 1789

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden.