Werkstatt Luigi Valadier, Beweinung Christi, vollendet um 1786

Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Das Silberrelief der Beweinung Christi entstand in der damals europaweit führenden Goldschmiedewerkstatt Luigi Valadiers in Rom als päpstliches Geschenk an eine Fürstin des Hauses Wittelsbach.
Das unlängst wiederentdeckte Altarbild exemplifiziert römische Kunst an der Schwelle zum Klassizismus. Als vermutlich letzter im Atelier des 1785 verstorbenen Valadier entstandener päpstlicher Auftrag ist es ein Missing Link der Kunst- und Kulturgeschichte Europas. Die Verbindung des ungewöhnlich großformatigen und feinst gearbeiteten Silberreliefs mit einem aufwendigen Rahmen ist typisch für Valadier-Arbeiten der Zeit. Die zusätzlich in einer Wachsversion überlieferte Bildkomposition greift ältere Vorbilder des römischen Barock auf. Die Angelo de’ Rossi (1671-1715) zugeschriebene Erfindung wurde für das Silberrelief nicht nur stilistisch aktualisiert, sondern erfuhr auch eine inhaltliche Redaktion – am auffälligsten durch die Einführung der Kreuzesvision des hl. Johannes.


1786 schenkte Papst Pius VI. der damaligen Pfalzgräfin und späteren Herzogin Maria Anna das Werk als ein Zeichen „geistlicher Verwandtschaft“ im Nachgang des päpstlichen Besuchs in Bayern (1782) und der Einrichtung einer Nuntiatur in München (1785). Der Papst übernahm auch die Patenschaft des ersten Sohnes der Fürstin, Pius August (1786–1837). Das persönliche Geschenk hat jedoch auch diplomatischen Charakter, denn der Papst erhoffte wohl Bayerns Unterstützung angesichts verschiedener Bestrebungen, den päpstlichen Einfluss auf politische Belange einzuschränken. Als eines der wenigen bekannten diplomatischen und persönlichen Geschenke an eine Fürstin erlaubt das Werk zudem die in öffentlichen Sammlungen oft unterrepräsentierten weiblichen Perspektiven aufzuzeigen.

 

Dr. Heike Zech, Dr. Markus T. Huber

 

In einem Video zeigt das Germanische Nationalmuseum detaillierte Aufnahmen des Werkes und berichtet über dessen eindrucksvolle Gestaltung und Hintergrund. Den kurzen Film finden Sie hier.

 

Abbildung © Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg