Rückkauf eines prunkvollen Elfenbeinhumpens, um 1674–80

Stiftung Schloss Friedenstein, Gotha

Die Stiftung Schloss Friedenstein konnte einen seit 1945 als verschollen geglaubten Elfenbeinhumpen zurückerwerben. Das kunstvolle mit vergoldetem Silber gefasste Trinkgefäß aus Elfenbein-Schnitzerei war ein Geburtstagsgeschenk des Herzogs von Sachsen-Weißenfels, Johann Adolph I. (1649–1697), an seinen Schwager, den Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg, Friedrich I. (1646–1691).

Erstmals im Gothaer Kunstkammerinventar von 1721 als eine „aus Helfenbein gearbeitete Kanne, woran die Historie der Kinder Israel da sie sich bey dem Güldenem Kalbe frölig bezeugen“ beschrieben, gelangte der Humpen bereits im Jahr 1689 in die Friedensteinischen Sammlungen. 1879 wurde der Humpen aus dem Residenzschloss Friedenstein in die Sammlungen des neu gegründeten Herzoglichen Museums Gotha überführt.

Die silbervergoldete Fassung des Humpens ist mit dem Beschauzeichen der Stadt Danzig versehen und trägt die Meistermarke von Johann Ernst Kadau(w). Es haben sich nur wenige seiner Arbeiten in öffentlichen Sammlungen erhalten – darunter ein Elfenbeinhumpen im Kunsthistorischen Museum Wien und eine Prunkkanne im Hessischen Landesmuseum Kassel. Auch die Elfenbeinschnitzerei mit der Darstellung des feiernden und um das von Aaron aufgestellte Goldene Kalb tanzenden Volkes der Israeliten, während Mose auf dem Berg Sinai die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten von Gott in Empfang nimmt, ist von herausragender Qualität. Sie trägt keine Signatur, kann jedoch aufgrund stilistischer Vergleiche – insbesondere mit den von Kadau(w) gefassten Stücken in Wien und Kassel – dem aus Schwäbisch-Gmünd stammenden Bernstein- und Elfenbeinschneider Christoph Maucher zugeschrieben werden, der sich um 1670 in der Hansestadt Danzig niedergelassen hatte.

Unabhängig von der für die Elfenbeinarbeiten vermuteten Autorenschaft Mauchers, handelt es sich bei den beiden Humpen aus der Gothaer und Wiener Sammlung um korrespondierende Gegenstücke mit nahezu identischen Goldschmiedefassungen.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die Gothaer Museumsbestände evakuiert. Kostbare Kunstkammerobjekte lagerte man in die Fürstengruft des Schlosses Friedenstein aus. Hier kam es unmittelbar nach Kriegsende zu umfangreichen illegalen Entnahmen bedeutender Kunstwerke, die somit zwar der im Juli 1945 folgenden Beschlagnahmung und dem sogenannten Beutekunst-Abtransport durch die Rote Armee entzogen, später jedoch durch unbefugte Personen als „ausgesonderte Museumsstücke“ an den Kunsthandel veräußert worden sind. Auch der Humpen war davon betroffen. Während die Figur des Aaron, die man bei der Auslagerung sorgsam vom Deckel abgeschraubt und separat verpackt hatte, in Gotha verblieb, wurde der Humpen entwendet und gelangte in den Besitz eines Erfurter Kunsthändlers. Dessen Erben ließen den Humpen 2017 versteigern. konnte das prunkvolle Stück für die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zurückerworben und wieder mit seiner ursprünglichen Deckelbekrönung vereint werden.

Ute Däberitz

Bildunterschriften

1. Gesamtansicht des Humpens
2. Gesamtansicht des Humpens
3. Detail: Die originale Deckelbekrönung in Gestalt des Priesters Aaron mit dem Kalb
4. Detail des Elfenbeinreliefs der Gefäßwandung mit Wein schenkendem Mann
5. Detail des Elfenbeinreliefs der Gefäßwandung: Der Tanz um das Goldene Kalb
6. Die originale Deckelbekrönung und die von den zwischenzeitlichen Besitzern des Humpens aufmontierte, aber ursprünglich nicht zugehörige Buchsbaumbüste
7. Der Elfenbeinhumpen ist in die Kunstkammer von Schloss Friedenstein zurückgekehrt. Hier ist er mit seiner originalen Deckelbekrönung zu sehen – Aaron mit dem Opferlamm.
8. Der Elfenbeinhumpen ist in die Kunstkammer von Schloss Friedenstein zurückgekehrt. Hier ist er mit seiner originalen Deckelbekrönung zu sehen – Aaron mit dem Opferlamm.

Alle Fotos: © Lutz Ebhardt, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha