Restaurierung von Hans Mielichs Holzschnitt "Das Heerlager Kaiser Karls V. vor Ingolstadt 1546", 1549

Bayerisches Armeemuseum, Ingolstadt

Der monumentale Holzschnitt von Hans Mielich aus dem Jahr 1549 zeigt das Heerlager Kaiser Karl V. vor Ingolstadt (1546) während des Schmalkaldischen Krieges. Das Stück  ist ein herausragendes Druckwerk der Zeit um 1550.

Nur zwei weitere Exemplare dieses Riesenholzschnitts sind heute bekannt: im Ingolstädter Stadtmuseum sowie im Historischen Museum Regensburg. Es ist davon auszugehen, dass ursprünglich nur wenige mehr gedruckt wurden, da ein derartiger Riesenholzschnitt aus 16 Einzelblättern in der Herstellung äußerst komplex war. Nur ein kleiner, elitärer Kreis um Karl V. kommt als Auftraggeber in Frage.

Betrachtet man die Blätter genauer, so zeigt sich eine unglaubliche Detailliertheit, innerhalb wie außerhalb der Stadtmauern. Mielich wählte dafür eine besondere Perspektive: Wohl er selbst steht auf dem Turm des Ingolstädter Münsters und studiert das Gewirr aus Zelten, Pferden, Söldnern und Marketendern jenseits der Stadtmauern.

Das besondere ist die unglaubliche Detailliertheit der Darstellung des Heerlagers und eines Teils der Stadt. Dadurch ergeben sich spannende Einblicke: Einige im Bau befindliche Festungswerke, eine Studentenburse – die einzige derartige Darstellung – oder in Richtung Süden die älteste Darstellung des Ingolstädter Galgens.

Daneben zeigt Mielich die immense Ausdehnung des Heerlagers und die damit einhergehenden logistischen Probleme, die die Versorgung einer derart großen Menge von Personen mit sich brachte. So findet man Fischteiche, die als Abortgruben verwendet werden, Fuhrleute mit hochbepackten Wägen, aber auch Zelte hochrangiger Teilnehmer des Feldzugs (u.a. von Erzherzog Maximilian von Österreich, des späteren Kaisers Maximilian II. (1527-1576) oder diejenigen Kaiser Karl V.).

Der Riesenholzschnitt lädt dazu ein, sich intensiv mit Ingolstadt, dem Leben der Menschen vor 450 Jahren, dem Heerlager, aber auch der ausgedehnten Auenlandschaft der Donau zu beschäftigen. Er bietet faszinieren Einblicke, die weit über die militärhistorischen Aspekte der Darstellung hinausreichen. Der Holzschnitt ist somit eine außergewöhnliche Quelle seiner Zeit, der in seiner Detailliertheit für die Präsentation im Museum ideal geeignet ist.

Dr. Tobias Schönauer

 

Hans Mielich, Holzschnitt, 1549, Druck auf Papier, ca. 86 x 303 cm.

Abb. 1: Kreuztor von Ingolstadt. Außerhalb der Stadt ist das Heerlager mit einer Marketendergasse zu erkennen. Im Bildvordergrund steht vermutlich Hans Mielich selbst auf dem Münsterturm und betrachtet das Geschehen.

Abb. 2: Stadtmauer mit einem im Bau befindlichen Festungswerk.

Abb. 3: Blick über das Heerlager zum Horizont. Links im Bildhintergrund ist das brennende Dorf Gerolfing (heute Stadtteil von Ingolstadt) zu sehen. Die räumliche Ausdehnung des Heerlagers Karls V. war immens. Die Mühlen entlang der Schutter, die hier zu erkennen sind, liegen etwa 1,5 km außerhalb der Stadtumwallung. Dort war das Hauptquartier des Kaisers untergebracht.

Abb. 4: Älteste Darstellung des Ingolstädter Galgens. Auf der Straße nach München ziehen viele Fuhrleute mit ihren hochbeladenen Wagen in Richtung Ingolstadt.

© Bayerisches Armeemusuem, Ingolstadt.