Rückererwerb von zwei Ölskizzen von Carl Blechen

Archiv der Akademie der Künste, Berlin

Beide Werke entstanden während Blechens Italienreise im Jahr 1829, eine Erfahrung, die seinen Stil und seine weitere künstlerische Laufbahn entscheidend prägte. Blechens Ölskizzen spiegeln eindrucksvoll dessen Begabung, atmosphärisch und landschaftlich stimmungsvolle Landschaften schnell und gekonnt einzufangen wider. Der Tiberiusfelsen auf Capri und das pittoreske Mühlental bei Amalfi, in dem sich Mehl- und Papiermühlen und Sägewerke bereits im 13. Jahrhundert niedergelassen hatten, übten eine besondere Faszination auf den jungen Künstler aus. Eine Studie des Mühltals ausgeführt in Sepiatusche, die sich ebenfalls im Bestand der Kunstsammlung befindet, kann nun, nach Rückerwerb, erneut als visuelles Pendant in direkten Bezug zur Ölskizze gesetzt werden. Diese Verdeutlichung der Arbeits- und Schaffensprozesse verschafft Einblicke in Blechens Werk, die die motivische Entwicklung einzelner Kompositionen in variierenden künstlerischen Techniken ermöglichen. So diente die Ölskizze des Mühlentals wiederum als Kompositionsskizzen zu einem seiner Gemälde, die 1831 nach Rückkehr im Berliner Atelier fein ausgearbeitete gleichnamige Komposition auf Leinwand. Ebenfalls 1831 erhielt Blechen eine Stelle als Professor für Landschaftsmalerei an der Akademie der Künste in Berlin. Die von ihm entwickelten Lehrmethoden, die auf der intensiven Beobachtung der Natur im Rahmen von Exkursionen fußten, veränderten die bis dato eher auf das Kopieren ausgerichtete Lehre der Landschaftsmalerei nachhaltig und sorgten dafür, Blechens Ruf als herausragender Landschaftsmaler und Akademieprofessor bis heute zu festigen. Mit dem Ankauf sorgsam ausgewählter Blechen-Werke durch die Akademie aus dem Besitz der Künstlerwitwe setzte unsere Institution dem Professor bereits im 19. Jahrhundert ein nachhaltiges Gedenken. Seine Werke wurden auch fortan im Rahmen der akademischen Künstlerausbildung von Studierenden betrachtet, kopiert und dienten als wertvolle Inspirationsquellen. Der kriegsbedingte Verlust einzelner Werke wurde insbesondere als schmerzhaftestes Desiderat empfunden, gerade weil die Kunstsammlung der Akademie über einen so herausragenden Blechen-Bestand verfügt: Sie ist ein Zentrum der Blechen-Forschung und unterstützt ausgewählte Ausstellungen mit Leihgaben.


Anna Schulz

Provenienz: April 1841 Preußische Akademie der Künste, Berlin, Nachlass Carl Blechen; März 1943 Auslagerung zum Schutz vor Kriegseinflüssen in die Neue Reichsmünze, Berlin; spätestens seit 1945 Kriegsverlust; […]; frühestens ab 1945 in Privatbesitz, Berlin; 1992–18.11.2019 Privatbesitz, Berlin; Rückgabe aus Privatbesitz.

Abbildungen: 1 Mühlental bei Amalfi, (1828-29), Öl auf Papier auf Karton, 16 x 10 cm
2 Tiberiusfelsen auf Capri, Öl auf Papier auf Karton, 20 x 29,2 cm

© Akademie der Künste Berlin