Prunkstück zurück in Gotha: Eine Jadekanne, um 1630
Friedenstein Stiftung Gotha
Die Friedenstein Stiftung Gotha freut sich über die Rückkehr eines verlorenen Prunkstücks ihrer Sammlung: Eine prächtige Kanne aus grüner Jade mit vergoldeter Silbermontierung. Sie war Teil einer Werkgruppe aus Nephrit, bestehend aus einem achteckigen Becken, zwei Löffeln und zwei Salzfässchen mit Deckeln, die im 1656 verfassten Inventar der Kunstkammer von Schloss Friedenstein erstmals erwähnt wird. Dort war das wertvolle Ensemble zunächst repräsentativ auf einem Tisch ausgestellt. Als die Kunstkammer im 18. Jahrhundert vergrößert und aus dem West- in den Ostturm von Schloss Friedenstein verlegt wurde, zeigte man die Schaustücke zusammen mit anderen Steinschnittarbeiten in einem verglasten Schrank.
Aus keiner anderen fürstlichen Sammlung ist ein Tafelset aus Jade bekannt, das sich so umfänglich erhalten hat.
Die Deckelkanne, die sich bis 1940 nachweislich in der Sammlung befand, ist eines von zahlreichen Objekten der Friedenstein Stiftung Gotha, die in den Nachkriegswirren abhandenkamen. Wahrscheinlich wurde sie in der sowjetischen Besatzungszeit aus der Sammlung entwendet und anschließend veräußert. In den 1970er Jahren tauchte das Kunstkammerstück im Pariser Kunsthandel wieder auf, ging durch mehrere Hände und gelangte schließlich in den Besitz eines dort ansässigen Privatsammlers. Dieser erkannte seine Jadekanne 2022 im Katalog zur Gothaer Kunstkammer wieder und gab sie daraufhin an seinen Händler zurück. Kurz darauf nahm die Galerie Kugel Kontakt mit der Friedenstein Stiftung Gotha auf, um eine Rückführung der Kanne zu ermöglichen.
Nach erfolgreichen Verhandlungen konnte dank des Engagements der Ernst von Siemens Kunststiftung, die auch die Aktualisierung der Eintragungen in der Lost-Art Datenbank finanzierte, und anderer Förderer 2026 die Jadekanne zurückgeführt und die außergewöhnliche Werkgruppe wieder vervollständigt werden.
Dr. Ingrid Dettmann
Die EvSK ermöglichte im Rahmen ihrer Corona-Förderlinie die Überarbeitung der Lost-Art-Datenbank-Einträge der Verlustobjekte des Schloss Friedenstein Gotha. Außerdem förderte sie die Erarbeitung und rechtsichere Würdigung der drei Verlustlinien "Veruntreuung", "völkerrechtswidrige Verbringung" und "Diebstähle" und finanzierte schließlich den gefundenen Kompromiss bei den Verhandlungen zur Rückführung der Jadekanne vor.
Abbildung 1: Silbergefasste Deckelkanne aus Jade, Friedenstein Stiftung Gotha, Foto: Julius Fröbus GmbH
Abbildung 2: Jadeensemble bestehend aus einer Deckelkanne, einem achteckigen Becken, zwei Salzfässchen und zwei Löffeln, Friedenstein Stiftung Gotha, Foto: Julius Fröbus GmbH

