Prunkstück zurück in Gotha: Eine Jadekanne, um 1630

Friedenstein Stiftung Gotha

Die Friedenstein Stiftung Gotha freut sich über die Rückkehr eines verlorenen Prunkstückes Ihrer Sammlung.

Es handelt sich um eine etwa 20 cm große, prächtige Kanne aus grüner Jade mit vergoldeter Silbermontierung. Sie war Teil einer Werkgruppe aus Nephrit, bestehend aus einem achteckigen Becken, zwei Löffeln und zwei Salzfässchen mit Deckeln, die im 1656 verfassten Inventar der Kunstkammer von Schloss Friedenstein erstmals erwähnt wird. Dort war das wertvolle Ensemble zunächst repräsentativ auf einem Tisch ausgestellt. Als die Kunstkammer im 18. Jahrhundert vergrößert und aus dem West- in den Ostturm von Schloss Friedenstein verlegt wurde, zeigte man die Schaustücke zusammen mit anderen Steinschnittarbeiten in einem verglasten Schrank (Kunstkammerinventar 1764, fol. 20r: „Eine Lavoir aus orientalischen Lapide Nephritico mit 8 Ecken in Vergoldeten Silber gefaßt, 6 Zoll lang ½ Elle breit nebst einer darzu gehörigen Gieskanne mit Vergoldeten gegoßenen Silber am Mundstück, Deckel und Fuß beschlagen, ingleichen mit einem gegossenen silbernen Handgriff und Schnepfe, so einen Adlers-Kopff præsentiret, auf dem Deckel mit einem gegoßenen aufrecht stehenden Löwen gezieret“).

Aus keiner anderen fürstlichen Sammlung ist ein Tafelset aus Jade bekannt, das sich so umfänglich erhalten hat. Die Deckelkanne, die sich bis 1940 nachweislich in der Sammlung befand, ist eines von zahlreichen Objekten der Friedenstein Stiftung Gotha, die in den Nachkriegswirren abhandenkamen. Wahrscheinlich wurde sie in der sowjetischen Besatzungszeit aus der Sammlung entwendet und anschließend veräußert. In den 1970er Jahren tauchte das Kunstkammerstück im Pariser Kunsthandel wieder auf, ging durch mehrere Hände und gelangte schließlich in den Besitz eines dort ansässigen Privatsammlers. Dieser erkannte seine Jadekanne im Jahr 2022 im Katalog der Stiftung zur Gothaer Kunstkammer wieder und gab sie daraufhin an seinen Händler zurück. Im Jahr 2023 nahm die Galerie Kugel Kontakt mit der Friedenstein Stiftung Gotha auf, um eine Rückführung der Kanne zu ermöglichen.

Nach erfolgreichen Verhandlungen gelang Dank dem Engagement der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Rudolf August Oetker-Stiftung, der Kulturstiftung der Länder und der Galerie Kugel mit dem Rückkauf der Jadekanne nun wieder die Vervollständigung dieser außergewöhnlichen Werkgruppe in ihrem historischen Kontext.

Dr. Ingrid Dettmann

Abbildung 1: Silbergefasste Deckelkanne aus Jade, Friedenstein Stiftung Gotha, Foto: Julius Fröbus GmbH

Abbildung 2:  Jadeensemble bestehend aus einer Deckelkanne, einem achteckigen Becken, zwei Salzfässchen und zwei Löffeln, Friedenstein Stiftung Gotha, Foto: Julius Fröbus GmbH