Proklamation durch die Herolde, erstes Viertel 17. Jahrhundert

Dom-Museum Hildesheim

Die Teppichfolge diente bis zum Zweiten Weltkrieg als prachtvolle Wanddekoration des sogenannten Rittersaals am südlichen Kreuzgangflügel des Hildesheimer Doms, in dem sich die Stände des Hochstifts Hildesheim versammelten. Der Saal wurde im 18. Jahrhundert aufwendig neu gestaltet. Dabei integrierte man acht Gobelins, die Domprobst Franz von Landsberg 1727 der Domkirche vermacht hatte. Dieser hatte sie den Quellen zufolge in Bonn als einen Zyklus mit Szenen aus der Geschichte Kaiser Ludwigs des Frommen, des Gründers des Bistums Hildesheim, erworben. In diesem Glauben hing man sie in dem in spätbarocken Formen umgestalteten Rittersaal auf.

Tatsächlich zeigen die Gobelins jedoch Szenen aus der Legende der Artemisia, hergestellt zwischen 1609 und 1627 in der Manufaktur von François de la Planche und Marc de Comans in Paris. Die Geschichte selbst wurde 1562 für Katharina von Medici adaptiert, während die Bildkompositionen auf Entwürfe von Antoine Caron (ca. 1515-1593) zurückgehen, die Henry Larembert dann um 1600 in Kartonvorlagen für Gobelins umsetzte.

Obwohl zwei der Bildteppiche im Zweiten Weltkrieg verbrannten, ist die Hildesheimer Folge zusammen mit einer weiteren in der Münchner Residenz eine der vollständigsten und am besten erhaltenen dieses Themas. Seit 1945 konnten die im Zuge der Auslagerung in Mitleidenschaft gezogenen Teppiche nicht mehr ausgestellt werden. Sämtliche Teppiche sollen nun bis zur Wiedereröffnung des Hildesheimer Dom-Museums im Frühjahr komplett restauriert und erstmals wieder komplett gezeigt werden.

Gerhard Lutz

Abbildung:

Proklamation durch die Herolde, erstes Viertel 17. Jahrhundert. Aus einer Folge von Bildteppichen der Artemisia-Legende, 460 cm x 506 cm.

© Dom-Museum, Hildesheim