Mittelalterliche Stuckskulptur aus der untergegangenen Klosterkirche zu Gerbstedt

Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte

Im Bereich der ehemaligen Klosterkirche von Gerbstedt (Mansfelder Land) kamen vor allem im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts mehrere Hundert Fragmente von qualitätvollen mittelalterlichen Stuckreliefs zum Vorschein, die sich größtenteils im Bestand des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt befinden.

Der Gerbstedter Fundkomplex nimmt eine herausragende Rolle innerhalb der deutschen Stuckplastik ein, ist doch der Harzraum eine der großen mittelalterlichen Stucklandschaften Europas. Im Zeitraum vom 9. bis zum späten 13. Jahrhundert bildete sich hier ein einzigartig breites und vielfältiges Kunstschaffen heraus, das von verzierten Fußbodenarbeiten über Bauplastik bis hin zu unterschiedlichen Ausgestaltungen von Wänden und Gewölben reichte. Voraussetzung hierfür ist die besondere Materialeigenschaft des verwendeten, aus den umfangreichen Lagerstätten des Harzes stammenden Hochbrandgipses, der ein einmaliges Bearbeitungsspektrum von Guss über Modellierung bis hin zu Schnitzen und steinmetzmäßiger Ausarbeitung erlaubt. Der Großteil der Stuckarbeiten aus dieser Region hat sich in Sachsen-Anhalt erhalten, wozu auch überregional beachtete Hauptwerke des mittelalterlichen Kunstschaffens zählen, wie etwa das Heilige Grab in der Stiftkirche zu Gernrode. Die technische Qualität, die Größe und die vielfältigen Formen der Gerbstedter Fragmente weisen darauf hin, dass es sich um ein ebenso komplexes und hochqualitätvolles Bildprogramm handelte. Mit den bereits begonnenen Untersuchungen ist zu erwarten, dass ein weiteres monumentales Werk im Bereich der romanischen Skulptur erschlossen werden kann.

Eine repräsentative Auswahl der Gerbstedter Stuckfragmente soll 2021 Teil des neuen Abschnittes der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle (Saale) werden. Im Vorfeld erfolgt ihre Restaurierung sowie die nun mögliche umfassende technologische, naturwissenschaftliche und kulturhistorische Untersuchung, deren Ergebnisse durch die Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung in einem Bestandskatalog publiziert werden sollen. Artikel einschlägiger Wissenschaftler aus einem interdisziplinären Team werden diesen ergänzen und die Fragmente in ihren kulturhistorischen Kontext einordnen.

Abbildungen:
1 Köpfchen eines jungen Mannes oder Engels
2 Großes Fragment der Darstellung eines Bettes
3 Köpfchen einer Drachenfigur
© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Juraj Lipták