Max Beckmann, Adam und Eva 1936

Hamburger Kunsthalle

Max Beckmann war vornehmlich Maler und Graphiker und hat sich selten als Bildhauer betätigt. Von seiner Hand gibt es nur acht Figuren: Fünf sind zwischen 1934 und 1936 in Berlin entstanden, drei wurden 1950, im letzten Lebensjahr, in New York geschaffen. Die von eigener Hand modellierten Figuren, aus denen die späteren Bronzegüsse hervorgingen, sind von besonderem Wert – so auch die farbig gefasste Gipsfigur Adam und Eva von 1936. Adam und Eva ist die größte und die einzige mehrfigurige Skulptur Beckmanns, und der vorliegende Gips ist von herausragender Bedeutung: Er ist die „Mutter“, die Urfassung der Materialvarianten des Motivs – der einen Terrakottafigur (seit 1994 Eigentum der Staatsgalerie Stuttgart) und der fünf in Bronze gegossenen Exemplare.

Die Skulpturen und Plastiken von Beckmann stehen nicht als Werkgruppe für sich, sondern beziehen sich formal und inhaltlich auf die Malerei als zentrales künstlerisches Interesse. In der Bildhauerei formte Beckmann seine Faszination für Volumen und Masse ins Dreidimensionale aus und erprobte die Ausdehnung seiner Figuren in den Raum. Auch dem Gehalt nach orientiert sich die Skulptur an der Malerei, wobei sie durchaus eigenständige Varianten zu den gemalten Bildern bietet: Das Motiv Adam und Eva hatte Beckmann bereits 1907, 1917 und 1932 in drei Ölgemälden behandelt. Während dort die ersten Menschen gleich groß und gleichwertig erscheinen, zeigt die 1936 entstandene Plastik einen massigen Adam auf einem Hocker: Er hält Eva als kleines Figürchen in seiner Hand schützend vor sich, während sich die Schlange gefährlich um seinen Körper schlingt und über seine Schulter hinweg auf Eva herabblickt. Die Akteure erscheinen hier rätselhaft in ihre gegenseitigen Abhängigkeiten verstrickt.

Max Beckmann bildet einen Schwerpunkt in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Mit Adam und Eva und dem 1936 entstandenen Selbstbildnis kann sie neben zehn Gemälden auch zwei Skulpturen Beckmanns präsentieren. Besonders reizvoll im Hamburger Beckmann-Saal ist die Zwiesprache zwischen Adam und Eva und dem Gemälde Odysseus und Kalypso aus dem Jahr 1943: Nicht nur kreisen beide Werke um die Themen Eros und Schuld. Aufgrund der Verwandtschaft der beiden Darstellungen werden im Ausstellungssaal auch die eindrücklichen Bezüge zwischen Beckmanns Malerei und seiner Bildhauerei unmittelbar erfahrbar.

Dr. Karin Schick

Abbildungen:
1-2 Max Beckmann (1884-1950)
Adam und Eva, 1936
Gips, überfasst
87 cm x 35,5 cm x 40 cm

© Hamburger Kunsthalle