Kanne und Becken aus einer Toilettengarnitur der Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, 1820

Staatliches Museum Schwerin

Nach eigenem Bekunden wollte der Vater seine Tochter so ausstatten „wie einer Prinzessin aus Unserem Königlichen Hause eignet und gebühret.“ Diese Absicht kommt sowohl in der Ausstattung wie auch der Wahl der ausführenden Künstler zum Ausdruck. So listet das Verzeichnis ihrer Mitgift beispielsweise Besteck, Geschirr, Schmuck, mehr als einhundert Kleider und diverse Leibwäsche auf. An erster Stelle stehen jedoch die kostbarsten Stücke: Zwei silberne Toiletteservice, deren erstes vergoldet ist.

32 Teile umfasste das hier interessierende zweite Ensemble. Es war am 18. September 1821 bei den Brüdern Gerike in Auftrag gegeben worden. Die beiden Berliner Goldschmiede hatten einige Jahre zuvor mit Schinkel zusammengearbeitet. Toilettenservice waren über Jahrhunderte beliebte, persönliche Geschenk in höfischen Kreisen. Sie umfassten meist Utensilien, die im Rahmen des morgendlichen Aufstehzeremoniells, des „lever“, zum Einsatz kommen konnten. So waren auch in diesem Fall entsprechende Accessoires enthalten, beispielsweise Stand- und Handspiegel, Leuchter, Lichtschere, Schwamm- und Seifendose, Zahnpulverbüchse, Mundbecher, Glocke, Kristallflakons, Nadelkissen und -teller sowie die hier vorgestellte Waschgarnitur.

Die beiden Objekte sind von schlichter, vornehmer Eleganz. Der Schmuck für das tiefe, ovale Becken ist auf den geriefelten Mündungsrand reduziert. Der urnenförmige Korpus der schlanken Kanne wird durch feine horizontale Friesbänder gegliedert. Vor den glatten Silberpartien kommen sie subtil zur Geltung. Die noble, gestreckte Form wird auch durch den hochgezogenen Henkel betont. Die obere, als schlangenartiges, geschupptes Fabelwesen gebildete Partie kontrastiert ebenso mit der Flächigkeit der Wandung. Gleich den anderen Silberstücken verweist das gravierte, gekrönte Monogramm A dieser beiden Objekte auf die Eigentümerin.

Die Kanne und das Becken ergänzen den zugehörigen, ebenfalls aus der Werkstatt Gerikes stammenden Toilettenspiegel, der 1993 als Leihgabe in das Staatliche Museum Schwerin/Güstrow/Ludwigslust kam.

Dr. Eva Maria Hoyer

Abbildung:

Johann Ludwig oder Carl Adolph Gerike (?), Kanne und Becken aus einer Toilettengarnitur der Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, 1820. Silber, gegossen, getrieben, geprägt, graviert.

Kanne: H. 31,5 cm, B. 13 cm

Becken: H. 7,5 cm, B. 33 cm, T. 24,5 cm

© Staatliches Museum Schwerin