Jörg Lederers Hl. Sebastian (um 1520/30) für Kaufbeuren

Stadtmuseum Kaufbeuren

Im Jahr 2020 konnte die Skulptur des Heiligen Sebastians von Jörg Lederer für die Sammlung des Stadtmuseums Kaufbeuren angekauft werden, die neben einer Figur des heiligen Petrus in der Dauerausstellung kaum Werke des wohl bedeutendsten Kaufbeurer Bildschnitzers vorzuweisen hatte. Der um 1470 geborene Lederer betrieb spätestens ab 1507 eine florierende Werkstatt in der Reichsstadt Kaufbeuren. Er arbeitete nicht nur im Allgäuer Raum, sondern unter anderem auch in Südtirol. Bis heute zählt er zu den großen Bildhauern des 16. Jahrhunderts. Kennzeichnend für ein Werk Lederers sind bei dieser Sebastians-Figur die schwungvolle Körperhaltung, die Wespentaille, die dicken Korkenzieherlocken, die äußerst feine Nase und Mundpartie mit Bart sowie die Ausarbeitung des Faltenwurfs des Mantels mit großen klaren Formen neben kleinteiligen, wie in Wirbeln endenden Stoffdraperien. Im Vergleich mit anderen gesicherten Werken dürfte dieser Sebastian ein Spätwerk des Meisters aus der Zeit um 1520-30 sein. Etwas widersprüchlich zu der qualitativ hochwertigen Schnitzarbeit steht die Qualität des gewählten Holzes, mit großem Astansatz. Baum und Arme sind (z.T. mehrfach) angesetzt, Holzfehler wurden mit Werg oder Gewebe kaschiert. Die beschnittenen Seitenzonen deuten darauf hin, dass es sich bei der Skulptur ehemals vermutlich um eine Mittelfigur handelte, welche aus ihrem Kontext genommen wurde. Über die Jahre musste das Werkstück typische Verluste exponierter und fragiler Holzbereiche hinnehmen. In einer älteren, umfassenden Restaurierungsphase wurden markante Fehlstellen schnitzerisch ergänzt, jedoch nicht gefasst, Risse verleimt und mit modernen Nägeln stabilisiert. Verluste der originalen Fassung sind vor allem an Haar, Bart, Baum und Sockel zu verzeichnen. Weitgehend erhalten sind hingegen das Inkarnat und die Vergoldung von Umhang und Lendentuch.


Susanne Sagner und Heide Tröger

Abbildung: Hl. Sebastian, Holzskulptur von Jörg Lederer, 1520/1530,117 x 21 x 24 cm, Inv-Nr. 10620 © Stadtmuseum Kaufbeuren
Foto: Susanne Sagner