Herman Brawe, Silberbecher Der Höcker, 1659

Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück

Bei dem Silberbecher handelt es sich um den sogenannten Höcker aus dem Osnabrücker Ratsschatz. Er konnte mit Mitteln der Ernst von Siemens Kunststiftung für die Stadt Osnabrück erworben werden. In Osnabrück – wie auch in anderen Städten – sammelte der Stadtrat wertbeständige Goldschmiedearbeiten. Bei festlichen Anlässen wurden sie auf Anrichten oder in geöffneten Schränken stolz präsentiert. Neben der Repräsentation diente das Ratssilber zudem als Geldanlage. In Notlagen konnte es eingeschmolzen und zu Geld verarbeitet werden. Zudem war es üblich, hochgestellten Gästen oder wichtigen Vertragspartnern der Stadt Geschenke zu machen. Diese reagierten oft aus Höflichkeit mit Gegengaben. So kamen Osnabrücker Goldschmiedearbeiten in andere Ratsschätze und umgekehrt.

Der Höcker wurde 1659 von dem Osnabrücker Goldschmiedemeister Herman Brawe für die Osnabrücker Kramergilde geschaffen. Der Silberbecher ist teilvergoldet und trägt am Boden die Marken der Stadt (sechsspeichiges Rad) sowie die des Goldschmiedes („HB“). Oben am Becherrand befindet sich die Inschrift „Gedächtnis Etlicher Affectionirter Gildebrüder Des Kramer Ampts Anno. 1659.“ Die Außenwand ziert eine allegorische Darstellung der Justitia.

Der Becher galt seit Ende des Zweiten Weltkriegs als verschollen. Aufgrund der Luftangriffe auf die Stadt war der Ratsschatz Mitte November 1944 in das Salzbergwerk Grasleben bei Braunschweig ausgelagert worden. Bei Kriegsende hatten amerikanische Truppen den Ort erobert. Der Becher wurde mit großer Wahrscheinlichkeit als Kriegsbeute entwendet, da die Kiste, in der sich der Becher befunden hatte, später aufgebrochen in einem der Bergwerkstollen vorgefunden wurde.

Der restliche Ratsschatz wurde am 11. Oktober 1945 nach Osnabrück zurückgebracht. Neben dem Höcker fehlten zwei kleinere vergoldete Römerbecher sowie der Deckel des Dellbrügge genannten Pokals. Einer der beiden Römerbecher konnte bereits 1971 zurückgekauft werden.

Dr. Thorsten Heese

Abbildung:

Meister Herman Brawe (1625 – 1697), Silberbecher Der Höcker, 1659. Silber, teilvergoldet, graviert. H. 17,3 cm, D. 13,2 cm, Gewicht 543 g

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