Halbfigur Christi mit Spruchband SIGNA TAU

Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart

Aus der Sammlung der Fürsten von Oettingen-Wallerstein auf der Harburg konnte das Mittelstück eines fast 50 cm hohen maasländischen Vortragekreuzes erworben werden. Diese teils in Gruben-, teils in Zellenschmelztechnik ausgeführte Emailtafel schließt an die beiden Täfelchen an, die das Württembergische Landesmuseum seit 1975 besaß. Durch den Erwerb kann nun die Senkrechte der Rückseite des Kreuzes gezeigt werden. Das vollständige Kreuz war erstmals 1977 auf der Ausstellung „Die Zeit der Staufer“ zu sehen. Heute werden die insgesamt zehn Täfelchen wieder in verschiedenen Museen aufbewahrt.

Beide Seiten des Kreuzes zeigen Szenen aus dem Alten Testament und der Kreuzlegende. Von den Mitteltafeln her erschließt sich der Sinn der jeweiligen Kreuzseite, Die Vorderseite betont durch die Szenenauswahl mehr den Opfergedanken: hier hält Christus auf dem zentralen Mittelstück ein Buch mit den Worten PAX VOBIS. Auf der Rückseite wird das Kreuz als lebenspendendes Holz gedeutet: Die Halbfigur Christi hält ein Spruchband mit dem Schriftzug SIGNA TAU (dt.: Zeichen T). Das Täfelchen oberhalb der Christusbüste stellt Moses dar, wie er in der Wüste mit einem Holzstück Wasser aus dem Felsen schlägt. Auf dem sich nach unten anschließenden Täfelchen bezeichnet Ezechiel die Stirnen der Gerechten mit dem kreuzförmigen Buchstaben T.

Das Kreuz gehört zu den vollkommensten Zeugnissen romanischer Goldschmiedekunst. Es ist ein anschauliches Beispiel für das typologische Denken der Scholastik, eine Spezialität maasländischer Werkstätten. Der wohl erste und prominenteste Auftraggeber, der dort den Sockel eines Kreuzes mit typologischen Emailbildern für seine Abtei schmücken ließ, war Abt Suger von St. Denis. Wo das Vortragekreuz seinen ursprünglichen Standort besaß, ließ sich bisher nicht feststellen. Ein etwas kleineres, ähnliches maasländisches Kreuz - heute in London und Berlin aufbewahrt - befand sich im Mittelalter in einer Kirche der Diözese Konstanz.

Heribert Meurer

Abbildung:

Halbfigur Christi mit Spruchband SIGNA TAU, Maasgebiet, um 1160
©Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart