Gunta Stölzl - Entwurf für einen Wandbehang, 1922/24

Die Neue Sammlung - The Design Museum, München

Die Neue Sammlung wurde 1925 gegründet, in dem Jahr als das avantgardistische Bauhaus von Weimar nach Dessau zog. 1926 wurde die erste Ausstellung mit dem Titel „Die Neue Sammlung“ und damit das Museum eröffnet.

Von Gunta Stölzl erwarb die Neue Sammlung bereits 1926 die ersten zwei Textilien. Es war ein sehr visionärer Ankauf, der das Wissen um die Bedeutung dieser Künstlerin spiegelt. Heute besitzt die Neue Sammlung drei Wandbehänge, einen Läufer, einen Kissenbezug sowie einen Dekorationsstoff dieser Künstlerin.

Gunta Stölzl zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des Bauhauses, die mit mit Anni Albers und Otti Berger die Werkstatt für Weberei zu großem Erfolg führten.

Gunta Stölzl kam 1919 als Studentin an das Bauhaus. Sie wurde 1926 die erste Werkmeisterin und wenig später zur Werkstattleiterin der Webklasse ernannt bis sie 1931 das Bauhaus verließ. Zum Abschied widmete man ihr eine Ausgabe der Bauhaus-Zeitschrift, darin der berühmte Satz „dass man von bauhausstoffen spricht, ist ihr Verdienst.“ Unter den Bauhaus-Meistern war Gunta Stölzl die einzige Frau.

Entwurf und Ausführung lagen im Bauhaus programmatisch in einer Hand. Daher sind neben den Objekten auch die Entwürfe von großer Bedeutung.

Der von der Ernst von Siemens Kunststiftung geförderte Entwurf eines Wandbehangs von 1922/24 zeigt eine Komposition, die geometrisch aufgebaut ist. Auf mehreren Ebenen scheinen sich Räume zu öffnen und architektonische Elemente zu verbinden. Die Lineaturen sind zart, die Farben leuchtend.

Das Format eines langgestreckten Hochrechtecks charakterisiert die Zeichnung als Entwurf für einen Wandbehang. „Dieser Entwurf verweist auf eine weitere Innovation des Bauhauses und der Textilwerkstatt: Die Neuerfindung des Wandbehangs als abstraktes Bild.“ (Magdalena Droste)

Die Zeichnung hat eine hervorragende Provenienz, kommt sie doch aus dem Besitz des Enkels von Gunta Stölzl Ariel Aloni. Die Neue Sammlung, die bislang keine Entwürfe von Gunta Stölzl in ihrer Sammlung besaß, kann nun genau 100 Jahre nach dem ersten Ankauf von Gunta Stölzl zu ihrem 100jährigen Jubiläum dieses Desiderat füllen.

Dr. Angelika Nollert

 

Abbildung: Gunta Stölz, Textilentwurf am Bauhaus Weimar (1922/1924), Gouache, Deckfarben und Collage auf dünnem Karton, 28 x 22,5 cm.

© Die Neue Sammlung - The Design Museum, München.