Große Galerie im Neuen Schloss Schleißheim, Lüster und Konsoltische 18. Jahrhundert

Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

Die fünf prunkvollen böhmischen Glaslüster und die geschnitzten Konsoltische bilden die authentische historische Ausstattung der Großen Galerie im Neuen Schloss Schleißheim, deren Gesamteindruck sie nach aufwändiger Restaurierung wieder vervollständigen.

Die mächtigen böhmischen Glaslüster gehören dem um 1740 geprägten „Maria-Theresia-Typus“ an, den die Korbform, die große, aus Hohlglaskörpern gebildete Mittelvase und der reiche Behang geschliffener Glaspendel charakterisiert. Jeder Lüster umfasst insgesamt 2450 Glasteile. Ihre Gläser zeigen noch die für die frühen Lüster typische violette Verfärbung durch Mangan, die man erst nach 1750 durch neue Verfahren der Glasherstellung überwand.

Die Restaurierung der fast zwei Jahrzehnte deponierten Lüster umfasste auch die Nachfertigung zahlreicher verlorener Teile des Glasbehangs. Sie wurden nach den Originalmustern in kleinen Handwerksbetrieben im traditionsreichen nordböhmischen Lüsterzentrum in Tschechien unter Leitung des Glasverlegers Peter Rath angefertigt. In kristallklarem Glas unterscheiden sie sich bewusst von den violetten Originalgläsern.

Die vergoldeten Konsoltische sind Meisterwerke der Münchner Hofkunst der Barockzeit, die im geschnitzten, so genannten „Bildhauer“-Möbel eine besondere Virtuosität entfaltete. Die frühen Tischpaare entstanden im Auftrag Kurfürst Max Emanuels um 1724/25 in der Münchner Hofwerkstatt des Bildhauers Johann Adam Pichler nach Entwürfen des Architekten Joseph Effner. Ein Tischpaar kam unter Kurfürst Max III. Joseph hinzu. Mit ihren figürlichen Motiven – Kriegern und malerisch kostümierten Orientalen – fügen sie sich in das Gesamtprogramm der Schlossdekoration ein.

Eine besondere Kostbarkeit sind die originalen Tischplatten aus Tegernseer Marmor. Nur sehr selten sind diese bis zu 300 kg schweren Platten bis heute erhalten geblieben. Aufgrund ihres enormen Gewichts waren sie bei Transporten stets besonders gefährdet und erste Brüche sind schon in den Inventaren des 18. Jahrhunderts vermerkt. Die Restaurierungs-Maßnahmen galten daher insbesondere der Wiederherstellung der kostbaren Platten.

Dr. Brigitte Langer

Abbildungen:

1. Schleißheim, Galerie 18. Jahrhundert
2. Schleißheim, Konsoltisch 18. Jahrhundert
3. Schleißheim, Lüster18. Jahrhundert
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