Gemälde Fritz von Uhdes kann nach Restitution in Wiesbaden bleiben

Museum Wiesbaden

Fritz von Uhde zählt mit seinem beeindruckenden Gesamtwerk, das sich im Spannungsfeld zwischen Realismus und Impressionismus verorten lässt, zu den großen Malern des späten 19. Jahrhunderts in Deutschland.

Seine künstlerische Laufbahn verlief nicht gradlinig. Zwar bestand von Kindesbeinen an der Wunsch, sich der Kunst zu widmen, aber nach ersten Enttäuschungen als Student an der Dresdner Kunstakademie wandte sich dem Militär zu. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg quittierte er 1877 als hochdekorierter Offizier den Militärdienst, um sich wieder ganz der Malerei zu zuwenden. Seine Themen kreisten zu jener Zeit um Darstellungen aus dem Alltagsleben sowie um religiöse Sujets. In seiner künstlerischen Ausdruckform orientierte er sich dabei zunächst an den Künstlern des Realismus, ließ dann jedoch, auch auf Anregung von Max Liebermann, mehr und mehr impressionistische Tendenzen in seinen Stil einfließen.

Diese symbiotische Herangehensweise drückt sich auch in dem Wiesbadener Gemälde „Der Gang nach Bethlehem“ aus. Es ist eines jener Bilder mit einem religiösen Motiv, die Uhde letztlich zum Durchbruch verhalfen. Die Handlung spielt in einer trüben Winterlandschaft, in der zwei ärmlich gekleidete, müde und frierende Menschen nach einer Zuflucht suchen. Ihr innerer Zustand, ihre offensichtliche Verlorenheit in dieser frostigen und unwirtlichen Umgebung verschmelzen zu einer erbarmenswerten Gesamtatmosphäre, die das Bild bestimmt.

Bei dem Wiesbadner Bild handelt es sich um eine freie Variation der ersten Version, die bereits im Jahr seiner Vollendung 1890 vom Prinzregenten Luitpold für die Königliche Neue Pinakothek in München erworben wurde und sich heute in der Neuen Pinakothek München befindet. Der „Gang nach Bethlehem“ gehört zu einem der Hauptwerke des Künstlers und stellt somit eine große Bereicherung für die Sammlung des Wiesbadener Museums dar und dient als ein wichtiges Scharnier sowohl für die Kunst des deutschen Impressionismus – mit Werken von Liebermann, Slevogt und Corinth – als auch für die Überleitung zur Kunst der Moderne.

Dr. Peter Forster

Abbildung:
1 Fritz von Uhde (1848-1911)
Der Gang nach Bethlehem
Öl auf Leinwand
92 cm x 110 cm
© Museum Wiesbaden