Geheimnisvolle Psalterhandschrift Anfang 15. Jh. mit Miniatur der Bamberger Bistumspatrone ersteigert

Staatsbibliothek Bamberg

Eine ganzseitige Darstellung der Bamberger Bistumspatrone Kaiser Heinrich II. († 1024) und Kaiserin Kunigunde († 1040) ziert eine Psalterhandschrift des 15. Jahrhunderts, die im Dezember 2020 für die Staatsbibliothek Bamberg ersteigert wurde. Die Handschrift gibt einige Rätsel auf, denn die Miniatur wurde nachträglich über den Text des Psalters gemalt. Dieser entstand vermutlich in Österreich oder dem nördlichen Italien. Nur die zweite Hälfte des Psalters mit den Psalmen 77,52 bis 150 ist erhalten geblieben; auch die biblischen Cantica im Anhang sind unvollständig. Jede Textseite umgibt eine gemalte Bordüre mit Blüten- und Blattranken, in deren unterer Mitte noch unidentifizierte Wappen und Vignetten mit religiösen Symbolen eingefügt sind. Die Miniatur auf Blatt 14r zeigt das heilige Kaiserpaar als Stifter einer Kirche, die sie auf Händen tragen. Allerdings entspricht die Darstellung des viertürmigen Kirchenbaus mit einer Fassade, über deren drei Arkaden eine Fensterrosette platziert ist, nicht dem realen Erscheinungsbild des Bamberger Doms. Der Maler kannte also den Dom nicht aus eigener Anschauung, sondern stützte sich wohl auf eine ältere Bildtradition, vielleicht auf eine gedruckte Quelle. Die Miniatur stammt wohl aus einer Region, die mit dem Bistum Bamberg eng verbunden war, möglicherweise aus Kärnten, wo das Hochstift über Besitzungen verfügte. Die Handschrift stellt so ein wichtiges Zeugnis der Verehrung des heiligen Bamberger Kaiserpaars dar. Eine weitere ganzseitige Miniatur mit einer Darstellung der Marienkrönung, die italienische Stileinflüsse aufweist, eröffnet die Handschrift. Die Übermalungen wurden wohl gegen Ende des 15. Jahrhunderts ergänzt, bevor der Codex einen neuen Einband erhielt. Ein eingeklebtes Exlibris mit einer Darstellung einer gekrönten weiblichen Figur (Maria?) flankiert von zwei Markuslöwen könnte auf einen venezianischen Vorbesitzer hinweisen. Im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten kunsthistorischen Erschließung der mittelalterlichen Handschriften mit Buchmalerei sind neue Erkenntnisse über die Herkunft des Psalters zu erwarten.

 

Abbildung:

Liturgischer Psalter, unvollständig (Psalm 77,52 bis 150), 15. Jh., mit späteren Ergänzungen, Buchmalerei in Deckfarben und Blattgold auf Pergament, 30 Blatt, 151 mm × 112 mm © Staatsbibliothek Bamberg