Franz Marc, Kleine Steinstudie, 1909

Franz Marc Museum, Kochel am See

Mit konzentriert auf den Boden gerichtetem Blick studierte Franz Marc ein beiläufiges Detail der Natur – zwischen dem Geröll wachsendes Gras, gemischt mit einigen gelb und violett blühenden Blumen. Indem das Bild keine Tiefenentwicklung bietet, wird der Rhythmus der unregelmäßigen Steine und der Abwechslung zwischen ihrem kalkigen Weiß sowie dem fahlen, von der Sonne überstrahlten Grün zum Hauptthema des Gemäldes.

Im Sommer und Herbst des Jahres 1909 variierte der Maler diese rhythmische Gestaltung der Bildfläche anhand so unterschiedlicher Sujets wie Tier- und Baumgruppen oder Heuhocken. Er war dabei noch einer vom Licht erfüllten Farbauffassung des Impressionismus und der leicht stilisierenden Gestaltung der Münchner Jugendstilmalerei verpflichtet.
Erst gegen Ende des gleichen Jahres verzichtete Marc auf diese letztlich immer noch naturalistische Bildauffassung zugunsten erster Experimente mit einer neuen, nicht mehr der optischen Wahrnehmung verpflichteten Verwendung der Farbe.

In der Suche nach einer aus der Naturbeobachtung entwickelten rhythmischen Gestaltung der Bildfläche steht die kleine Studie an einer entscheidenden Schnittstelle in der Entwicklung des künstlerischen Werks von Marc, auch wenn noch nichts an die ab 1911 entstehenden, kühn abstrahierenden Tierbilder denken lässt.

Abbildung:

Franz Marc, Kleine Steinstudie, 1909, Öl auf Leinwand, Franz Marc Museum, Kochel am See. Ankauf gefördert durch: Ernst von Siemens Kunststiftung, W. Winterstein, Bayerische Landesstiftung. © Franz Marc-Museum. Foto: Walter Bayer, München