Drei Scherenschnitte von Philipp Otto Runge für die Klassik Stiftung Weimar
Klassik Stiftung Weimar
Philipp Otto Runges Blumenschnitte sind überaus rar. Noch seltener sind zusammengehörige Gruppen seiner Scherenschnitte aus bedeutender Provenienz, wie dem Nachlass der Hamburger Künstlerfamilie Speckter. Das aus Privatbesitz erworbene, bislang unbekannte Konvolut beeindruckt durch seine Vielfalt: Es umfasst ikonische Scherenschnitte wie das Maiglöckchen, ikonografisch bedeutungsvolle wie die Narzisse und besonders seltene Arbeiten wie den Flieder.
Runges Scherenschnitte gehören zu den herausragenden Kunstwerken der Romantik. In ihnen überführte der Künstler präzise Naturbeobachtung sowie naturwissenschaftliches Interesse an Struktur und Gestalt der Pflanzen in das fragile Medium Papier. Schon in der Kindheit fertigte Runge Scherenschnitte und blieb dieser Technik in verschiedenen Facetten über sein gesamtes Leben treu. Früh wurden diese Papierarbeiten sammelwürdige Raritäten, die er bisweilen an ihm nahestehende Personen verschenkte.
Für Weimar haben Runges Scherenschnitte darüber hinaus eine singuläre Bedeutung, die von seinem Verhältnis zu Johann Wolfgang von Goethe herrührt. Bereits seit der Jahrhundertwende standen Runge und Goethe in Kontakt. 1806 sandte Runge eine größere Anzahl von Blumenschnitten als Geschenk an den Dichter, der mit ihnen das Musikzimmer (das heutige Junozimmer) in seinem Wohnhaus am Frauenplan auszustatten gedachte. Keines dieser Werke hat sich in Goethes Sammlung erhalten.
Zusammen mit den Scherenschnitten erhielt der Dichter von Runge auch ein gezeichnetes Selbstbildnis sowie die Serie der Zeiten in ihrer ersten Auflage. Die Sammlungen Goethes und der Klassik Stiftung Weimar bilden also gewissermaßen den natürlichen Kontext der Blumenschnitte, in dem sie ausgestellt und vermittelt werden können. Dies insbesondere mit Blick auf die derzeit geplante denkmalgerechte Instandsetzung mit funktionaler und musealer Überarbeitung des Goethe-Wohnhauses, in dem die Arbeiten Runges historisch gezeigt und bewahrt wurden.
Dr. Christoph Orth
Abbildung 1: Philipp Otto Runge, Flieder, um 1805, Scherenschnitt
Abbildung 2: Philipp Otto Runge, Nelke, um 1805, Scherenschnitt
Abbildung 3: Philipp Otto Runge, Margerite, um 1805, Scherenschnitt
© Klassik Stiftung Weimar

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