Der Fürst als weibliches Ich. Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg – ein »queerer« Herrscher und Schriftsteller
Friedenstein Stiftung Gotha
Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772–1822) beschreibt sich in einem Brief selbst als »eine Pflanze, ein Gefäß, ein zauberisch Apsara«, die »noch keiner beschrieb, weil es noch keiner mit der Brille der Unparteylichkeit besah.« Zur Begründung fügt er hinzu: »Erstlich weil ich nicht still hielt, 2tens weil diese Brille noch nie geschliffen wurde.« Diese Feststellung hat bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Zwei Jahrhunderte lang wurde der „unbequeme“ Herzog aus Gotha verschwiegen – jedenfalls fand er in der Forschung kaum Beachtung.
Die von der Ernst von Siemens Kunststiftung geförderte Publikation zeigt August, der Männer liebte und sich zuweilen als Frau kleidete, nun in einem bislang unbekannten Licht: als Schriftsteller, Politiker und Sammler. In der Forschungsbibliothek Gotha lagern 6000 Seiten unveröffentlichter Romane und Erzählungen aus seiner Feder. Ein Team von Literaturwissenschaftler:innen hat diese Texte aufgearbeitet und präsentiert sie hier zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Das Ergebnis: Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg entpuppt sich als virtuoser Sprachkünstler zwischen Empfindsamkeit und Frühromantik. Seine Texte überraschen durch die intensive Auseinandersetzung mit seiner prekären geschlechtlichen Position zwischen Mann und Frau sowie durch seine Identifikation mit weiblichen Figuren.
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Abbildung: Katalogcover © Wallstein Verlag, Göttingen.
