Christoph Heinrich Kniep, Blick aus der Villa des Maecenas in Tivoli, um 1798

Casa di Goethe, Rom

Der Zeichner Christoph Heinrich Kniep war lange vor allem als Reisebegleiter Goethes in Sizilien bekannt, doch handelt es sich bei ihm um eine eigenständige, facettenreiche Künstlerpersönlichkeit. 1783 in Rom angelangt, fand er schnell Anschluss an den deutschen Künstlerkreis und schulte sich am Vorbild Jakob Philipp Hackert (1737-1807). 1785 zog Kniep nach Neapel, wo er bis zu seinem Tod blieb: So erlebte er auch die Jahre der französischen Besatzung, während derer die Reisenden ausblieben und die Künstler mit Armut zu kämpfen hatten. Unsere Zeichnung entstand dem Wasserzeichen des Papiers zufolge in den 1790er Jahren, doch geht sie zweifellos auf römische Entwürfe zurück. Wir erblicken die Arkaden der antiken Maecenasvilla in Tivoli umgeben von üppiger, detailliert dargestellter Vegetation, im Ausblick erscheint eine nur mit der Feder konturierte, lichte Berglandschaft. Die kleine Gestalt einer in ihre Lektüre versunkenen Frau verdeutlicht die Monumentalität der Architektur, die von der Natur zurückerobert wird. Die Casa di Goethe widmete Kniep 2025 eine monographische Ausstellung. Sie besitzt bislang 11 Blätter des Künstlers: Ihnen tritt die neu erworbene, meisterhaft ausgeführte Zeichnung zur Seite.

Dr. Claudia Nordhoff

Abbildung: Christoph Heinrich Kniep (1755-1825), Blick aus der Villa des Maecenas in Tivoli, Feder und Pinsel in Braun über Bleistift auf Bütten, 1790er Jahre

© Casa di Goethe, Rom.