Altenberger Madonna wieder mit Flügelretabel vereint
Städel Museum Frankfurt am Main
Die vom Schrein des ehemaligen Hochretabels des Prämonstratenserinnenklosters Altenberg an der Lahn bei Wetzlar stammende Muttergottesfigur, die sog. Altenberger Madonna, gehört zu einem weit verbreiteten, auf französischen Vorbildern basierenden Typus von in Köln entstandenen thronenden Marienfiguren mit dem stehenden Christusknaben.
Vor einer hohen Rückwand, die in einem spitzen, von Krabben besetzten Giebel endet, sitzt Maria - wie üblich bei diesem Typus als beseelt lächelnde, mädchenhafte junge Frau dargestellt - auf einer mit einem dünnen Kissen versehenen Thronbank. Ihre Füße ruhen auf einem vorgelagerten polygonalen und mit durchbrochenem Maßwerk geschmückten Podest. Mit ihrer rechten Hand hält die Mutter Gottes geziert den Rest des Stiels einer Lilie, dem Symbol ihrer Jungfräulichkeit, der zugleich auch auf das Zepter der Himmelkönigin verweist. Mit ihrer linken Hand stützt sie den Oberkörper ihres Sohnes, der aufrecht mit einem Fuß auf ihrem linken Oberschenkel, mit dem anderen noch auf der Thronbank steht. Er hält seinen rechten Arm ausgestreckt nach links vorn, als wolle er nach der (heute fehlenden) Lilie greifen, während Maria in ihrer Körperbewegung leicht nach rechts tendiert. Mit seiner linken Hand hat der Knabe die Beinchen einer kopfüber gehaltenen Kohlmeise umfasst, die ihn dafür schmerzhaft in den Finger pickt – ein Hinweis auf die zukünftigen Passionsleiden Christi.
Als Patronin von Kirche und Kloster zieren Maria und Kind das Zentrum des Hochaltarschreins. Gekleidet in leuchtend goldene Gewänder, deren Säume mit „Edelsteinen“ aus Glasfluss besetzt sind, werden ihre Rollen als Himmelskönigin und Himmelskönig verdeutlicht. Auch das mit Hermelin verbrämte Innenfutter des Mantels, der Maria leicht über die rechte Schulter fällt, verweist auf ihre Person als Herrscherin des Himmels. Die herausragende Qualität der Bildschnitzerei wird dabei noch gesteigert durch die aufwendige Originalfassung.
Nun konnte das seit 1981 als Dauerleihgabe im Bayerischen Nationalmuseum München verwahrte Werk unter anderem durch die Unterstützung der EvSK vom Städel Museum in Frankfurt erworben werden. Die zugehörigen Flügel befinden sich bereits im Besitz des Museums, sodass die Bestandteile eines der frühesten Flügelretabel überhaupt wieder vereint werden konnten. In keinem Museum weltweit ist ein vergleichbares Kölner Ensemble dieser Zeit zu finden.
Abbildung 1: Kölner Meister, Madonna des Altenberger Altars, um 1320/30, Mischtechnik auf Holz (Figurenblock vermutlich aus Nussbaumholz;
Thronkonstruktion aus anderen Hölzern), größtenteils Originalfassung mit Blatt und Zwischgoldauflagen, eingelegten Glassteinen sowie Blattsilber mit farbigen Überzügen, 132 x 60 cm, Städel Museum.
Abbildung 2: Flügelretabel des Altenberger Altars vereint mit der Altenberger Madonna
© Städel Museum, Frankfurt
