Abraham Roentgen, Vier Hocker aus dem Ysenburg-Salon (1745-1750)

Roentgen-Museum Neuwied

Die beiden Hockerpaare unterschiedlicher Höhe zählen neben vier Stühlen, einem Tabletttisch, einem Verwandlungstisch und zwei Gueridons (Kerzentischchen) zu einem Möbelensemble von Abraham Roentgen (1711-1793), dem „Ysenburg-Salon“. Hergestellt wurden die Möbel in geschwungenen Formen, mit blattartigen Schnitzereien und keulenförmigen Füßen im Stil des englischen Barock der 1730er Jahre.

Diese Möbelgruppe zählt zu den frühesten bekannten Möbeln von Abraham Roentgen, die noch aus seiner Hand auf dem Herrnhaag in der hessischen Wetterau gefertigt wurden. Seit ihrer Entstehung befand sie sich im Besitz der Grafen, später Fürsten von Ysenburg-Büdingen in Schloss Büdingen, bis sie 2013 in den Kunsthandel und seit 2015 in den Besitz des Roentgen-Museums in Neuwied gelangte.

Abraham Roentgen hatte nach einer Schreinerlehre bei seinem Vater und anschließenden Wanderjahren in den Niederlanden und in London, wo er sich der Herrnhuter Brüdergemeine, einer pietistisch-evangelischen Religionsgemeinschaft, anschloss, 1742 eine kleine Möbelwerkstatt auf dem Herrnhaag gegründet. Dort wirkte er acht Jahre, bis 1750 die Herrnhuter Brüder aus der Siedlung Herrnhaag ausgewiesen wurden und nach Neuwied am Rhein auswanderten. Die dort wieder aufgebaute Werkstatt entwickelte sich vor allem unter seinem Sohn David zu einer europaweit einzigartigen und bedeutenden Möbelmanufaktur.

Eine von Achim Stiegel und Rüdiger Kröger im Unitätsarchiv der Herrnhuter Gemeine in Herrnhut entdeckte Rechnungsnotiz im Rechnungsbuch der Herrnhaager Gemeine verweist auf einen im Zuge der Auflösung der Siedlung Herrnhaag erfolgten Verkauf der Möbel an das Haus Ysenburg-Büdingen im Jahre 1752. Es ist nicht auszuschließen, dass Abraham Roentgen einen Teil seiner durch den Aufbau der Werkstatt entstandenen Schulden bei der Brüdergemeine mit Möbeln beglichen hatte, die diese dann auf eigene Rechnung verkaufte. Der Inventarstempel „EC“ (Ernst Casimir) verweist wohl eher auf eine spätere Inventarisierung durch Graf Ernst Casimir II. von Ysenburg-Büdingen, der von 1775 bis 1801 regierte.

Neben den vier Stühlen und den zwei Tischen werden die vier Hocker als Möbelensemble im Roentgen-Museum Neuwied präsentiert. Die beiden Gueridons befinden sich noch im Besitz des Hauses Ysenburg-Büdingen. Ein weiteres Möbelensemble der Roentgen-Manufaktur ist nur in Schloss Wörlitz bei Dessau bekannt.

Bernd Willscheid

Abbildung:
1. Hockerpaar:
H. 40 cm (ohne Polster);
B. 44 cm; T. 44 cm (in der Zarge),
im Fußstand 47 cm x 47 cm.
Inventar der Fürsten von Ysenburg-Büdingen:
Inv.-Nrn.: M 7a und M 7b
Inventarstempel „EC“ im Herz und weiße Klebezettel

2. Hockerpaar:
H. 46 cm (ohne Polster);
B. 44 cm; T. 44 cm (in der Zarge),
im Fußstand 47 cm x 47 cm.
Inventar der Fürsten von Ysenburg-Büdingen:
Inv.-Nrn.: M 252a und M 252b

© Roentgen-Museum Neuwied