KLASSE GESELLSCHAFT. Alltag im Blick niederländischer Meister. Mit Lars Eidinger und Stefan Marx

26.11.2021–27.03.2022

Hamburger Kunsthalle

Mit KLASSE GESELLSCHAFT widmet die Hamburger Kunsthalle einem Kapitel einer der facettenreichsten Epochen der europäischen Kunstgeschichte – der Kunst des holländischen und flämischen 17. Jahrhunderts – und ihren renommiertesten Vertretern eine umfassende Ausstellung, in der die beiden zeitgenössischen Künstler Lars Eidinger und Stefan Marx die Themen und Motive der Alten Meister mit neu- en Arbeiten reflektieren. Ausgangspunkt der mit rund 150 Werken groß angelegten Schau, ist der hochkarätige Bestand der Hamburger Kunsthalle an Genremalerei niederländischer und flämischer Meister, die den Schwerpunkt des Sammlungsbereiches Alte Meister der Kunsthalle bildet. Die Gemälde werden um Zeichungen und druckgraphische Arbeiten aus dem Kupferstichkabinet der Kunsthalle ebenso ergänzt wie um ca. 50 bedeutende Leihgaben aus großen europäischen Museen, darunter das Rijksmuseum Amsterdam, das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza Madrid, das Kunsthistorische Museum Wien, das Nationalmuseum Stockholm, das Kunstmuseum Basel und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München. Rund ein weiteres Drittel der ausgestellten Arbeiten stammt von dem Zeichner Stefan Marx, der eigens für die Ausstellung Schriftbilder realisiert und von Lars Eidinger, von dem Fotografien und Videoarbeiten präsentiert werden.

Die Malerei erlebte im 17. Jahrhundert in den Niederlanden im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung einen großen Aufschwung. Dabei erfuhr die Genremalerei aufgrund ihrer sehr realitätsnah wirkenden Darstellungen bei wohlhabenden Bürgern und Kaufleuten eine hohe Wertschätzung. Unter den gemalten Alltagsszenen waren neben den eleganten, atmosphärischen Interieurs und familiären Szenen der Delfter Feinmaler um Johannes Vermeer (1632–1675) und Pieter de Hooch (1629–1684) ebenso die überspitzten, ironischen Schilderungen des bäuerlichen Milieus und zügellosen Treibens der einfachen Leute von Jan Steen (1626– 1679) oder David Teniers (1610–1690) beliebt. In acht Kapiteln entfaltet die Ausstellung einen Rundgang von der Darstellung der Frau und dem Motiv des Briefschreibens und –empfangens, über die feiernden, trinkenden und rauchenden Bauern sowie die Soldaten in ihren Wachstuben und das Thema Spiele und Zeit- vertreib bis zu den Wissenschaftlern und Quacksalbern sowie den Winterstücken. Die Schau schließt mit den Gesellschaftsbildern damals und heute. Eingewoben sind Fotografien und Videoarbeiten von Lars Eidinger (*1976) und Schriftbilder von Stefan Marx (*1979). Eidinger hat eine ganz eigene Affinität zur Kunst der Alten Meister, mit der er sich bereits u.a. in Theaterarbeiten beschäftigt hat. Sei- ne fotografischen Momentaufnahmen spiegeln überwiegend Alltagsbeobachtungen wider. Die Arbeiten von Stefan Marx variieren zwischen Komik und Groteske. Sein Merkmal ist eine pointierte Schwarz-weiß-Malerei, die auf Texten beruht.

Abbildung:
Pieter de Hooch (1629–1684)
Der Liebesbote, um 1670
Öl auf Leinwand, auf Holz aufgezogen
57 x 53 cm
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Foto: Elke Walford

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