Edward W. Godwin und Oscar Wilde. Dandys Dekadenz Moderne

02.04.2026–30.08.2026

Bröhan Museum, Berlin

Edward William Godwin (1833–1886) zählt zu den radikalsten und zugleich einflussreichsten Gestaltern des viktorianischen Englands. Zunächst machte er sich als Architekt und Bühnenbildner einen Namen, doch vor allem seine Möbelentwürfe prägten eine neue, intellektuell fundierte Gestaltungskultur im Umfeld des englischen Ästhetizismus. In einer Epoche, in der das Interieur zunehmend zur Bühne individuellen Geschmacks wurde, entwickelte Godwin Möbel, die nicht bloß repräsentative Objekte waren, sondern Träger einer gestalterischen Idee. Sein Ziel war eine synthetische Verbindung von Form, Funktion und kultureller Bedeutung.

Mit Godwin eng verbunden war der Schriftsteller und Dandy Oscar Wilde (1854–1900). Als schillernde Figur des viktorianischen Englands verkörperte er das Lebensgefühl einer Epoche, die zwischen Dandytum, Dekadenz und ästhetischer Selbstinszenierung schwankte. Wilde gilt als eine der prägendsten Persönlichkeiten des Ästhetizismus und als Vertreter einer Lebenshaltung, die Kunst und Schönheit zum zentralen Maßstab erhob. In seinen literarischen Werken, theoretischen Schriften und zahlreichen Vorträgen formulierte er jene geistigen Grundlagen, aus denen auch Godwins Gestaltung schöpfte. In der Ausstellung treten daher Wilde und Godwin in einen gedanklichen Dialog zwischen Gedanken und Entwürfen.

Die Ausstellung versteht sie dabei nicht allein als historische Persönlichkeiten. Vielmehr werden Godwin und Wilde als Impulsgeber für gegenwärtige Fragen der Gestaltung und der Designgeschichte neu kontextualisiert. Im Mittelpunkt steht die produktive Spannung zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen kultureller Tradition und ästhetischer Erneuerung, für die Godwin und Wilde exemplarisch stehen.

 

Abbildung: Ausstellungsplakat, Edward William Godwin (William Watt, London), Buffet, 1867, Sammlung Ludewig.

© Public Domain Mark

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