Thailändische Tempelbilder
aus der Rattanakosin-Periode

Museum Fünf Kontinente, München

Restaurierung thailändischer Tempelbilder

Die Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglichte die Restaurierung einer Serie thailändischer Tempelbilder aus der Rattanakosin-Periode (18./19. Jahrhundert) im Besitz des Museums Fünf Kontinente in München.

Zur Funktion thailändischer Malerei ist sich die Forschung einig: Im Dienste der Religion soll sie dem Betrachter ohne größere Interpretationsspielräume Inhalte buddhistischer Lehrtexte nahe bringen und dabei ästhetisch ansprechend sein. Landschaft ist nur Beiwerk, Figuren jedoch sind in ihren Gesten bis in die kleinsten Fingerspitzen ikonographisch kodiert und mit einer Bedeutung behaftet. Wie ist nun mit der Zurückhaltung westlicher Restaurierungspraxis diesen ästhetischen Kriterien zu begegnen?

Am Tempelbild 14-70-158 konnte nur über umfangreiche Retuschen die für die buddhistische Malerei elementare Lesbarkeit der Darstellung wiedererlangt werden. Mit der Punktretusche bleibt die Unterscheidbarkeit von Restaurierungseingriff und originaler Malerei erhalten; am Tempelbild 14-70-160 wurde dieses Konzept jedoch teilweise aufgebrochen. In einer Kombinationsmethode aus Kittung und Retusche wurden Farbschichtränder an Fehlstellen gesichert. Das mit Champagner-Kreide angedickte Retuschiermittel wurde hier anböschend aufgetragen.
Die weltweite Korrespondenz mit Museen und Sammlungen brachte umfangreiche Bestände an Tempelbildern vor allem im San Francisco Museum of Asian Art oder dem Walters Museum in Baltimore ans Tageslicht. Bislang scheinen diese die einzigen Institutionen mit intensiven Erfahrungen in ihrer Restaurierung zu sein.

Publikationen mit Bezügen zur Materialuntersuchung sind sehr rar und solche zur systematischen Pigmentidentifizierung bislang weltweit nicht bekannt. Umso mehr Bedeutung ist den hier durchgeführten Materialuntersuchungen beizumessen.
Systematische Fotodokumentation einzelner Farbschichten unter starken Vergrößerungen geben Aufschluss über Pigment- und Füllstoffausmischungen, Korngrößenverteilungen, über Auftragsweisen der Malfarben, die Abfolge des Auftrags einzelner Farbschichten und nicht zuletzt über typische Schadensbilder.