SIXTINISCHE MADONNA
Rückkauf zweier Gemäldekopien aus der Sammlung Lindenau

Lindenau-Museum Altenburg

Bernhard August von Lindenau (1779–1854) erwarb nicht nur 180 kostbare italienische Tafelbilder vom 13. bis zum 16. Jahrhundert, Gipsabgüsse, antike Keramiken und eine Kunstbibliothek, sondern er kaufte auch Gemäldekopien berühmter Meisterwerke oder gab diese in Auftrag. Seinen gesamten Kunstbesitz vermachte Lindenau dem Herzogtum Sachsen-Altenburg als unveräußerliches Eigentum, mit der Auflage, ihn zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so, wie er selbst es seit 1848 gehalten hatte.
1968/69 verkaufte das Lindenau-Museum Altenburg 196 Gemäldekopien in den Kunsthandel der DDR, lediglich sechs verblieben im Museum. Der größte Teil der Kopien stammte aus Lindenaus Besitz. Mit dem Verkauf wurde gegen dessen Testament verstoßen, er hing wohl mit der mangelnden Wertschätzung von Kopien in den 1960er/1970er Jahren zusammen und dem Platzmangel im Museum. Mit den Gemäldekopien hatte Lindenau dem Besucher seines Museums einen vollständigen Überblick über die italienische Renaissance bis hin zum Barock geboten.
2013 tauchten zwei der verschollenen Gemälde wieder auf: eine Kopie nach einem Fresko mit der Verkündigung an Maria eines unbekannten Künstlers des 14. Jahrhunderts, die ein ebenfalls unbekannter Maler des 19. Jahrhunderts geschaffen hat. Bei der Darstellung handelt es sich um ein berühmtes Gnadenbild in der Kirche Santissima Annunziata in Florenz.
Wo das zweite Gemälde, Castellis Sixtinische Madonna, die letzten 45 Jahre zugebracht hat, wissen wir nicht. Doch über die Entstehung der etwa um ein Drittel verkleinerten Kopie sind wir aufgrund von Briefen des Künstlers an Lindenau sehr gut informiert. Der Auftraggeber war mit dem Bild sehr zufrieden. Als vormaligem sächsischen Gesamtminister mit Verantwortung auch für die königlichen Kunstsammlungen war ihm Raffaels Original wohl bekannt. Auch für die heutigen Betrachter ist das Gemälde mit seiner leuchtenden Farbigkeit, die der des Raffaelschen Originals wohl näher kommt als dessen heutiger Zustand, eine Augenfreude.