Seger Bombeck, Reformations-Teppich (sogenannter Luther-Teppich)

Klassik Stiftung, Weimar

Seit um 1700 in der so genannten Betkammer Herzog Christians in Schloss Eisenberg, alter Besitz des Herzoghauses Sachsen-Altenburg; 1906-1908 durchgreifend restauriert; 1935 aus dem Kunsthandel für das Schlossmuseum, Staatliche Kunstsammlungen zu Weimar, erworben. Aus den Umständen des Verkaufs durch die damaligen Besitzer ergaben sich jedoch Restitutionsansprüche, die eine Rückgabe des Teppichs an die Nachfahren der Letzteigentümer nach sich gezogen hätten. Ein finanzieller Ausgleich bewahrte die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen nun vor diesem Verlust.

Der Wandbehang mit allegorischen Darstellungen der reformatorischen Lehre Luthers und deren Widersachern ist eine Arbeit des in Brüssel ausgebildeten Bildwirkers Seger Bombeck, der seit 1552 in Weimar tätig war. Der Auftraggeber ist unbekannt.

Die Komposition, in deren Mittelpunkt die Auferstehung Christi steht, erweist sich wie bei anderen Arbeiten Bombecks als Kompilation verschiedener Einzelmotive. Die Tier- und Pflanzendarstellungen gehen auf flämische Vorlagen zurück, während den Figuren Entwürfe aus dem Umkreis der Cranach-Werkstatt, vermutlich des Weimarer Hofmalers Peter Roddelstedt aus Gotland, zugrunde liegen. Hier verbindet sich protestantische Ikonographie mit satirischer Polemik, wie sie in der Bildpropaganda der Reformationszeit entwickelt wurde. Christus erscheint als Sieger über Papst und Kirche. In die Darstellung eingefügte Bibelzitate belehren über die Erlösung vom Tod, den Sieg und die Herrschaft Christi. Neben der Auferstehungsszene erscheint rechts Luther kniend in dunkelrotem Talar und widersteht den tiergestaltigen katholischen Würdenträgern, die ihn mit Spießen und Steinen bedrohen.

Dr. Gert-Dieter Ulferts