Sammlung historischer Kästchen, 14. - 16. Jahrhundert

Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen

Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum verfügt über eine reiche Sammlung von ca. 40 Kassetten und Schatullen aus dem 14. bis zum 18. Jahrhundert. Der Grundbestand aus der Frühzeit des Kunstinstitutes wurde durch Zukäufe für das geplante und 1912 realisierte Kunstgewerbe-Museum großzügig erweitert. Dieses Haus schloss jedoch bereits wieder 1929, und das Inventar wurde in das damalige Suermondt-Museum integriert. Die dringendsten Maßnahmen zur Erhaltung galten 2015/2016 den Kassetten mit ornamental gestaltetem Lederbezug (Schnittdekor, Punzierungen usw.): Diese betrafen ein wohl deutsches, aus dem frühen 15. Jahrhundert stammendes rechteckiges Holzkästchen, vermutlich eine Meßbuchkassette, mit aufwändigen Eisenbeschlägen. Das Leder war schwer beschädigt, versprödet und rissig, der Holzkern der Kassette vermutlich durch Druck von oben stark deformiert. Unaufschiebbarer Restaurierungsbedarf war auch bei einem zweiten rechteckigen deutschen Holzkästchen mit in Leder geschnittenen Ranken, Bändern und Buchstaben sowie bei einer weiteren, um 1550 entstandenen französischen Holztruhe mit Runddeckel, Eisenbeschlägen und feinem Lederschnittdekor mit Löwen, Rittern zu Pferde usw. gegeben. Die spektakulärsten Werke sind eine deutsche, ins 14. Jahrhundert datierte lederbezogene Schatulle mit Bronze/Messingbeschlägen und eine große lederbezogene spanische Holztruhe um 1500 mit gewölbtem Deckel und aufwändigen eisernen Zierbeschlägen. Ferner mussten die filigran und ajour gearbeiteten Eisenbleche einer vermutlich französischen Meßbuchkassette (Leder- und Textil-Auflagen auf Holzkern) aus der 1. Hälfte 16. Jahrhunderts entrostet werden. Schließlich erhielt ein Modell-Kabinettschränkchen (deutsch/niederländisch, 17. Jh.) eine umfassende Konservierung und Restaurierung. Durch die Zuwendung der Ernst-von-Siemens-Stiftung ist es nun möglich, die genannten sieben Objekte in der am 7. Dezember eröffneten Bürgerlichen Kunstkammer des Aachener Museums zu präsentieren.

Michael Rief