REMBRANDT BUGATTI
Vier Kühe, 1901

Alte Nationalgalerie Berlin

 

Schon als Heranwachsender hatte Rembrandt Bugatti ein auffallendes Talent für die Bildhauerei offenbart. Weitgehend autodidaktisch in der Möbelwerkstatt seines Vaters Carlo herausgebildet, entspricht seine künstlerische Handschrift zunächst noch dem unmittelbar und skizzenhaft anmutenden Naturalismus, wie ihn auch Paul Troubetzkoy vertrat, der mit der Familie Bugatti befreundet war. Ebenso bald zeigt sich Bugattis Vorliebe für das Tiermotiv, wobei die Darstellung heimischer Nutz- und Haustiere weitgehend auf das Frühwerk beschränkt ist. Ein Foto präsentiert den etwa sechzehnjährigen Künstler mit dem Gipsmodell von vier Kühen, die hintereinander auf einer Plinthe angeordnet sind. Das Motiv, die friesartige Komposition der Herdentiere sowie der dokumentierte Titel Ritorno dal pascolo (Rückkehr von der Weide) verweisen auf den Einfluß seines Onkels Giovanni Segantini. Ergänzt um eine fünfte Kuh, wurde diese Arbeit Bugattis in unterschiedlichen Arrangements für die Galerie der Brüder Grubicy bei Giudici e Strada in Bronze gegossen, wobei die Zahl der Kühe auf einer Plinthe variierte. Separiert voneinander gegossen wurden die Kühe vermutlich nur in jeweils einem Exemplar, deren vier sich in der Nationalgalerie befinden. Laut Familienüberlieferung hatte Carlo Bugatti ein Tonmodell von Kühen unter einer Decke in seinem Atelier vorgefunden und dieses irrigerweise zunächst seinem älteren Sohn Ettore zugeschrieben, dem späteren Automobilkonstrukteur. Mithin sind die Kühe Rembrandt Bugattis erstes erhaltenes Werk. |

Philipp Demandt