Heinrich Campendonk, Pierrot mit Schlange, um 1923

Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld

Aus der musealen Aufgabe des Sammelns und Bewahrens entwickelte sich am Museum Penzberg – Sammlung Campendonk ein interdisziplinäres Forschungs- und Konservierungsprojekt zu Hinterglasbildern Heinrich Campendonks. Das Museum reagierte auf die grundsätzliche konservatorische Problematik von Hinterglasmalerei, nämlich die schwache Haftung der Malschicht auf dem Glasbildträger. Im Rahmen dieses von der Ernst von Siemens Kunststiftung unterstützte zweijährige Projekt wurden von der auf Hinterglasmalerei spezialisierten Restauratorin Simone Bretz aus Garmisch-Partenkirchen 35 Hinterglasbilder verschiedener Sammlungen eingehend kunsttechnologisch untersucht und 10 Werke restauriert. Eine im gesamten Hinterglaswerk Heinrich Campendonks bedeutsame Arbeit stellt das Bild „Pierrot mit Schlange“, 1921-1923 der Kunstmuseen Krefeld dar, welches bereits 1923 im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld ausgestellt wurde. Vorteilig für die anstehende Konservierung/ Restaurierung des Hinterglasbildes war die maltechnische Voruntersuchung von der Schauseite des Bildes, wie auch nach Ausrahmung von der bemalten Rückseite. Verblüffend ist die starke optische Abweichung von Vorder- und Rückseite des Bildes. Die dritte und damit zuletzt aufgetragene Malschicht ist vorderseitig teilweise von keinerlei Wirkung. Die Malfarben wurden gestrichen, gestupft, gesprenkelt, mit der Radiernadel bearbeitet und sogar die Fingerkuppe wurde als gestalterisches Instrument eingesetzt. Das Studium der Schichtenabfolge von mehrschichtigen Mallagen erklärt die Ursache von Krakeleebildung und Ablösungserscheinungen vom Glas. Die Haftung der Bemalung ist ausschließlich über das Bindemittel der Malfarben gegeben, denn die glatte Oberfläche des Glases kann die Farbe nicht aufsaugen. Hierin zeigt sich generell die größte Problematik bei Hinterglasbildern, welche beim „Pierrot mit Schlange“ je nach Farbpartie in unterschiedlichem Maß ausgeprägt war und das Gemälde hinter Glas mit einem Grauschleier überzog. Die Hinterglasbemalung wurde mittels einer Kunstharzlösung und mikrokristallinem Wachs gefestigt, wodurch das Werk seine Leuchtkraft und Farbigkeit wiedererlangte.

Simone Bretz